Rezensionen & Tonträger Marius, 23.01.2008
Die Form – Bach Project
„Bach aus den Fugen geraten” titelte die Leipziger Volkszeitung kurz nach der Darbietung von Die Form im Rahmen des Bach-Festes im Juni 2007. Sicherlich: Die Form hatten mit ihrer Version des Werks von Johann Sebastian Bach eine wirklich eigenwillige Präsentation zum Besten gegeben. Aus den Fugen geraten war da aber nichts, vielmehr wurde die Musik von Johann Sebastian Bach mit typischen Die Form-Elementen vermengt und es entstand eine Kunstdarbietung, die man in der Form zuvor nicht miterleben durfte. Dem vielerorten aufgekommenen Wunsch nach einer CD-Veröffentlichung kam die Gruppe nun nach und mit Bach Project erscheinen die Stücke auf 70 Minuten Länge in aufgearbeiteten Studio-Versionen.
Klassik trifft auf düsteren Elektro. Das mag beim bloßen Hören dieser Beschreibung so klingen, als sei das eigentlich nichts besonderes, gibt es doch schließlich häufig mal Elektroklänge mit Violinen angereichert. Bei Die Form ist dies allerdings etwas ganz anderes: Ist ihre Musik an sich schon immer sehr ästhetisch gehalten, so ist es auch beim Bach Project so, dass sie sich wirklich etwas Besonderes haben einfallen lassen und nicht bloß ein paar elektronische Klänge beliebig mit Bach-Motiven anreichern. Nein: Die Form nahmen ihr Anliegen ernst und stellten das klassische Moment deutlich in den Vordergrund: Die Strukturen der klassischen Originale wurden komplett beibehalten, klassische Instrumente und auch der klassisch-opernhafte Gesang von Eliane P. zeigen, dass Die Form den Werken Johann Sebastian Bachs durchaus würdig sind.
Und trotz der absolut klassischen Arrangements ist es Die Form gelungen, ihre ganz eigene Note und ihre authentische Unverkennbarkeit in den elektronischen Klängen mit in die Stücke einzubringen. Manchmal ist sie eher hintergründig, an anderen Stellen ist sie stark vordergründig und über weise Strecken hält sie sich gekonnt die Balance mit der klassischen Musik. Die Kompositionen Johann Sebastian Bachs finden in der Elektronik des Philippe Fichots in keiner Weise einen Antagonisten, sondern werden durch sie gelungen ergänzt. Hier treffen nicht zwei Welten aufeinander, hier bildet sich vielmehr ein ganz anderer musikalischer Kosmos. Und das ist etwas, was in der Art und Weise nur Die Form können.
War schon bei der konzertalischen Performance zu bemerken, dass hier etwas Besonderes und in der Form Einmaliges geschaffen wurde, so kann auch die Studio-Version des Bach-Projekts diese Feststellung halten. Die Form verhelfen Johann Sebastian Bach zu einer Interpretation, die sich dieser zu Lebzeiten wohl nie hätte ausmalen können. Und das alles, ohne ihm dabei auch nur in geringster Weise Unrecht zu tun. Dass das eine reife Leistung ist, muss wohl nicht weiter ausgeführt werden. Und so bleibt am Ende nichts anderes übrig, als hier wirklich von einem Meisterwerk zu sprechen, dessen Wirkung und Ästhetizität schwer zu erreichen sind!
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Konzertbericht zur Darbietung am 15.06.2007 im Leipziger Werk II
Homepage: www.dieform.net
MySpace: www.myspace.com/dieformofficial

Text: Marius Meyer