Der Brooklyner Musiker David Longstreth hat in vier Jahren nicht nur fünf verschiedene Livebands ausprobiert, sondern auch drei Alben und eine EP veröffentlicht. Das kann man problemlos als beeindruckend bezeichnen. Auf seiner neuen Platte Rise Above versucht sich David mit seinem Projekt Dirty Projectors an einer sehr interessanten und gleichzeitig abstrakten Idee: Wie gebe ich ein Album wieder, dass ich schon seit Jahren nicht mehr gehört habe und dessen Texte ich auch nicht noch mal nachlesen möchte? Besagtes Album stammt aus dem Jahr 1981, heißt Damaged und stammt von Black Flag. Nicht der simple Versuch des Kopierens stand im Vordergrund, sondern die kreative Wiedergabe.
So wurde ein besonderer musikalischer Rahmen geschaffen, in dem vom Songwriting bis zum Arrangement alles von einer eleganten Einfachheit und unschlagbarer Originalität zeugt. Manchmal hat man das Gefühl, man sitze mit der Band im selben Raum und kann ihnen beim Musizieren zusehen. Die Einfachheit beschränkt sich also nicht nur auf Komposition, sondern es wurde auch beim Aufnehmen auf großen Schnickschnack verzichtet. Ganz und gar unverzichtbar sind die dreistimmigen Stimmharmonien, die dem Album einen ganz besonderen Touch geben. Im ersten Moment ist es zwar eher … hm, na ja okay. Doch schon nach wenigen Minuten denkt man sich: ui, das gefällt! Denn gerade dadurch bekommen die Lieder eine besondere Note und heben sich so vom normalen Songwriting ab.
Insgesamt gibt es elf Lieder auf die Ohren, und die sollte man auch in aller Ruhe auf sich wirken lassen. Und auch live kann man nach Jahren des Umhertingelns wohl einiges erwarten. Und da trifft es sich doch gut, dass die Dirty Projectors ab 03. November in deutschen Gefilden unterwegs sind (die Tourdaten finden sich unter dem Cover). Denn die Frage ist: Kann man dieses Projekt auch stilsicher und effektiv auf die Bühne bringen? Hoffen wir mal drauf.

Homepage: www.westernvinyl.com/dirty_projectors.htm
MySpace: www.myspace.com/dirtyprojectors

Tourdaten
03.11. Berlin, Festsaal Kreuzberg
04.11. Dresden, Scheune
06.11. Heidelberg, Enjoy Jazz Festival (mit The Sea & Cake)
07.11. Berlin, West Germany
08.11. Hamburg, Westwerk (mit O’Death)
19.11. Köln, Stadtgarten

Text: Katrin Gruhl