Rezensionen & Tonträger Marius, 23.05.2011
diver – diver EP
So macht man in Zeiten moderner Kommunikation also Musik: Da sitzen zwei im Berliner Dachgeschoss, arbeiten an Musik, verschicken diese mal eben nach Wien und München, bekommen neues Material zurück. Und so weiter. Bis man sich dann auch mal persönlich wiedersieht und eine Band gründet. So geschehen beim Trio diver, das ihre schlicht mit dem Bandnamen betitelte Debüt-EP veröffentlicht hat. Wolfgang Bruckner, Olaf Schubert und Stephan Ebert bieten dem Hörer hier reduziert instrumentierte akustische Musik, bei dem das Ziel ist, die Emotion in den Vordergrund zu stellen. Diese zieht sich wie ein roter Faden durch die sechs Songs der Debüt-EP.
Schon im Opener The Theory wird das folk-orientierte Gitarrenspiel deutlich. Klare Klänge, gezupfte Melodieläufe und ein klarer Gesang, der das Gefühl in den Vordergrund stellt – in diesem Song das Gefühl des Durcheinanderseins, wenn eine platonische Beziehung auf einmal gar nicht mehr platonisch ist. Trotz des inneren Durcheinanderseins ist die Musik zu jeder Zeit sehr klar und in schlichter Schönheit gehalten. In Paralyzed ergänzt sich die Mundorgel, der Gesang wird mehrstimmig und die Emotionalität kommt auch mit diesen Mitteln sehr gut zur Geltung. Wobei „emotional“ gar nicht immer gleich „melancholisch“, „nachdenklich“ oder „traurig“ heißen muss. Red Colour beispielsweise kommt mit einer sehr optimistischen Grundstimmung daher.
Sechs schöne Songs sind es, die uns diver auf ihrer Debüt-EP präsentieren. Leider dauert diese nur etwa 19 Minuten, bevor man von vorne starten muss. Diese 19 Minuten aber begegnen auf einem wirklich hohen Niveau! Und wer sich die physische Veröffentlichung zulegt, bekommt die EP in aufwändig produziertem Einfaden-Kettenstich-Outfit geliefert.
Album-Stream: schoenwetter.bandcamp.com/album/diver-ep
MySpace: www.myspace.com/divermusic

Text: Marius Meyer