Dornenreich - Durch den Traum Musste sich die Anhängerschaft beim Vorgängeralbum Hexenwind beinah fünf Jahre gedulden, sind es diesmal bloß 12 Monate, die ohne ein neues Album von Dornenreich vergangen sind. Nachdem Valnes als Mitbegründer der Gruppe im Frühjahr diesen Jahres aus der Band ausstieg und auf dem aktuellen Werk nur als Gastmusiker mit aufgeführt ist, oblag die alleinige künstlerische Autorität nun Eviga, der den Weg von Dornenreich konsequent fortsetzt. In einer weitgesteckten musikalischen Umgebung mit dem Black Metal als über dem Werk stehender Kategorie ist ihm sehr intensives und vielschichtiges Werk gelungen, das einen würdigen Abschluss der ersten Dekade Dornenreich darstellt.
Wirkt der Begriff Opus im Zusammenhang mit musikalischen Veröffentlichungen auch gerne mal etwas hoch- und gleichermaßen auch abgegriffen, lässt sich beim neuesten Album von Dornenreich doch schnell feststellen, dass der Hörer es mit einem sehr durchkonzeptionierten Gesamtwerk zu tun hat, das eben nicht aus acht Einzeltiteln besteht. Konsequenterweise hat man auch auf eine Namensgebung der Titel verzichtet und sie einfach von I bis VIII durchnummeriert. Die Tatsache, dass es bloß acht Titel sind, sagt jedoch nicht, dass es ein kurzes Album wäre, da die Stücke zum Teil wirklich lange Kompositionen darstellen: Titel II und III beispielsweise überschreiten eine Länge von zehn Minuten.
Der Anspruch an sich selbst und die Hörer ist also hoch. Ziel ist es, mit Durch den Traum nach eigener Aussage „objektives Naturgeschehen der subjektiven Leidenschaft und Wahrnehmung des Menschwesens“ gegenüberzustellen, um das Natursein des Menschen „schließlich noch eindringlicher und tiefer heimzuführen in den Urgrund des Seins, die Natur“. Dies wird musikalisch mit finsteren Klangteppichen dargestellt, die zwar von düsteren Klängen der verzerrten Gitarren leben, ohne ihre filigran anmutenden Einsprengsel aus Folk und teilweise ambient wirkenden Sphären erst zu den ausgefeilten Arrangements werden, die sie sind. Durch eben diese wird der metallische Klang auf dem Album so besonders.
Auffällig in den Kompositionen sind auch die Kontraste. Teils von einem Moment auf den anderen wechseln die Stücke: Zwischen laut und leise, zwischen schnell und langsam. Verzerrte Gitarrenwände enden abrupt und werden durch gezupfte Gitarren ersetzt, die sich erneut zu bedrohlich-finsteren Klängen, die den Hörer packen aufbauen. Trotz abrupter Kontrastierung wirken die Arrangements in sich geschlossen und ergeben ein Ganzes.

Auf konzeptioneller Ebene schließt Durch den Traum mit dem Thema des „Menschwesens“ ab, das einst auf dem Debüt Nicht um zu sterben von Dornenreich eröffnet wurde. Dies stellt aber nur einen Zwischenstopp auf dem Weg Dornenwegs dar: „Die Reise wird weitergehen“, versichert uns Eviga. Ein Glück, wäre es doch ein ziemlicher Verlust, wie auch das vorliegende Werk beweist!

Homepage: www.dornenreich.com

Dornenreich - Durch den Traum

Text: Marius Meyer