Rezensionen & Tonträger Marius, 27.04.2008
Dornenreich - In Luft geritzt
Entstand Durch den Traum im späten 2006 noch unter der alleinigen künstlerischen Autorität von Dornenreich-Gründer und Mastermind Eviga, so ist das neue Werk In Luft geritzt in Zweierbesetzung mit Inve an der Geige entstanden, der live bereits eine Weile mit zum Stamm der Band gehört. Und nicht nur das ist neu: Auch stilistisch hat sich mal wieder einiges getan. Nach den zwar verträumt wirkenden, aber dennoch klar als metallisch erkennbaren Klängen des Vorgängers, bewegte sich man nun von verzerrter Gitarre und co. vollends weg und nahm ein Album auf, das auf voller Länge fast gänzlich von Akustikgitarre und Geige getragen wird.
Obgleich es instrumental gesehen minimalistisch zugeht auf In Luft geritzt, täuscht es nicht drüber weg, dass auch mit der spärlich anmutenden Instrumentierung Akustikgitarre und Geige, oftmals unterstützt vom Schellenreif und vereinzelt mit sehr dezentem Schlagwerk eine hohe musikalische Dichte erreicht werden kann. Die konsequente Benutzung akustischer Saiteninstrumente allerdings soll keineswegs heißen, dass Dornenreich nun weichgespült erscheinen mögen oder sonst wie Federn gelassen hätten: Ein Titel wie Unruhe kann dies gut zeigen, denn es wird hier eine packende Dramatik erzeugt, die den Hörer durch die stakkato-artige Geige packt, während das Stück finster und treibend wirkt. Der finstere Charakter wird auch durch Evigas Gesang gut unterstützt, der hier fragil bis ängstlich wirkt, auf dem Album insgesamt aber auch viele andere Stimmungen durchmacht: Mal geschrieen, mal geflüstert, mal geraunt.
Was die Dornenreich-Stücke dabei in all ihren Schaffensphasen schon immer vereint hat: Das Gespür für Atmosphäre. Der Unterschied zwischen akustischen Saiteninstrumenten und Black Metal mag rein von den Worthülsen her groß klingen, vergleicht man aber Dornenreich in ihren Schaffensphasen, so eint der atmosphärische Part des Ganzen die Stücke und marginalisiert die Unterschiede. Denn das, was Eviga und Inve auf In Luft geritzt akustisch darstellen, ist atmosphärisch höchst ansprechend und gelungen geworden. Gerade auch der spärliche, oft auf wenige Worte reduzierte Gesang, trägt dazu bei, dass die Musik ihre Atmosphärik voll entfalten kann. Dramatik, Optimismus, Pessimismus, Hoffnung, Verzweiflung – all das verbinden Dornenreich hier und suchen auf diese Weise nach einem Ort, an dem Körper, Geist und Seele vereint sind. Die auf dieser Suche entstehenden Bilder haben sie In Luft geritzt und auf diesem Album festgehalten.
Es ist sicherlich kein einfaches Album, das Eviga und Inve hiermit veröffentlichen. Aber Einfachheit war auch noch nie das Metier von Dornenreich. Komplexe Arrangements und vielschichtige Songstrukturen treffen aufeinander, der Hörer wird gefordert. Es ist Musik, mit der man sich auseinandersetzen sollte, die sich entfalten muss. Tut sie dies, so offenbaren sich dem Hörer gelungene atmosphärische Welten und man erkennt, dass Dornenreich es mit In Luft geritzt erneut geschafft haben, ein wirklich gelungenes Album fernab ausgelatschter Pfade aufzunehmen. Somit können Dornenreich erneut ihre Ausnahmestellung behaupten.
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Interview mit Dornenreich (Juni 2007)
Rezension zum Album Durch den Traum
Homepage: www.dornenreich.com
MySpace: www.myspace.com/mehralsdasein

Text: Marius Meyer
26 May 2008, 2:44 pm 1.Max…
Hier wurden die richtigen Worte dafür gefunden, dass Dornenreich trotz aller Veränderungen doch ‘gleich’ geblieben sind