Dylan LeBlanc hat Musik im Blut. Sein Vater, ein Musiker und Songwriter, ließ ihn schon früh bei der Arbeit über seine Schulter schauen, und im Kreise diverser Musikgrößen, mit denen Daddy im Lauf der Zeit zusammenarbeitete, begann Dylan seine eigene Musikerkarriere. Im zarten Alter von 20 Jahren veröffentlicht er nun sein Debüt-Album Paupers Field, eine Sammlung tiefgehender und tieftrauriger Folk- und Alt Country-Songs, die auch überzeugen würden, wäre ihr Schöpfer kein solches Wunderkind. Aber es hilft.

Low ist ein überzeugender Opener – von der ersten Sekunde an umweht den Hörer ein Flair von Americana, komplett mit Steel guitar und einer unfassbar erfahren und sehnsuchtsvoll klingenden Stimme. Der Refrain ist simpel und eingängig, und der Song unaufgeregt und doch mitreißend. Vergleiche mit sämtlichen Americana-Größen sind unumgänglich, und das vor allem wegen der Qualität von LeBlancs Song. If Time Was For Wasting folgt demselben Schema, auch wenn der Refrain nicht ganz so einprägsam sein mag, doch beide Titel sind großartig und, ganz ohne klischeehafte Trucker-Assoziationen wecken zu wollen, ob ihres sanft treibenden Rhythmus perfekt für Roadtrips aller Art, echte wie imaginäre. If The Creek Don’t Rise erweckt zwangsweise Assoziationen mit Ray LaMontagne, der gerade einen Song mit demselben Titel lieferte, doch auch musikalisch ist der Unterschied zwischen beiden Künstlern nicht himmelweit. Auch LeBlanc kann leiden, textlich wie musikalisch. Die restlichen Songs des Albums folgen dem Beispiel von If The Creek… Sie sind insgesamt langsamer, teilweise schleppend, sehr viel deprimierender als die Anfangstitel, und leider dadurch auch gleichförmiger. Jeder ist für sich genommen ein guter, sogar sehr guter Song, aber zusammen verschwimmen die kleinen Unterschiede zwischen den Titeln. Dem Genre bleiben sie alle treu, denn Dylan LeBlanc bedient alle Klischees: Frauennamen im Titel (Emma Hartley), Alkoholismus (5th Avenue Bar) und Balladenstoff (Death of Outlaw Billy John). Das mag selbstironisch gemeint sein und trägt durchaus dazu bei, dass das Album in sich stimmig ist, aber (und jetzt fühle ich mich schrecklich alt) vielleicht fehlt dem jungen Mann die Lebenserfahrung, um wirklich herzzerreißende und vor allem ganz individuelle Songs zu schreiben. Dafür hat er noch Jahre Zeit, und mit einem so starken Debüt steht einer steilen Karriere nichts im Wege. Paupers Field ist ein starkes Album, und Dylan LeBlanc kann zu einem der ganz Großen werden.

Homepage: www.dylanleblanc.com
MySpace: www.myspace.com/dylanstunesmusic

Text: Karoline Fritzsch