Israel… Was fällt einem da ein? Palästina, Jerusalem, Genezareth, Alternative Rock. Wer sich jetzt wundert, wundert sich vermutlich zu Recht, denn Israel ist sicherlich für vieles bekannt, aber gilt nicht gerade als ein Mekka der Rockmusik. Mit Violently Delicate erscheinen nun Eatliz auf der Bildfläche in der Bestrebung, diesen Miss-Stand zu ändern. Das Sextett um Frontfrau Lee Triffon ist bei israelischen Rockfans seit Jahren hoch im Kurs, nun erscheint auch bei uns eine CD – und man kann der Gruppe wünschen, dass sie mit der Veröffentlichung ein wenig Aufmerksamkeit bekommt, denn ihr progressiver Alternative Rock ist wahrlich Musik, die sich hören lassen kann.

Das Gros der Musik von Eatliz macht druckvoller progressiver Alternative Rock aus, der mit ausgefeilten Arrangements zu bestechen weiß und natürlich auch stark durch die Stimme von Sängerin Lee Triffon wirkt. Dabei unterscheiden sich Eatliz deutlich von Bands, an die man hierzulande denken würde, wenn man die bloße Beschreibung „Alternative Rock mit Frauengesang“ hört. Eatliz kombinieren eine dezente Schwermütigkeit mit Pop-Appeal und verleihen ihrer Musik dazu ordentlich Druck. Dies zeigen sie beispielsweise eindrucksvoll im Titeltrack der CD, wo Bass- und Gitarrenläufe einen zunächst eingängigen Charakter erzeugen, der im Chorus dann jedoch von wuchtigen Gitarrenriffs durch treibenden Rock zurechtgerückt wird und darüber hinaus durch den kräftigen, oft sehr eigenwillig und doch harmonischen Gesang lebt.

Aber Eatliz haben auch andere Momente in ihrer Musik. Big Fish beispielsweise geht eher in Richtung PowerPop, Mix Me hingegen gehört mit seinen ruhigen, nachdenklichen Klängen zu einem der wenigen balladesken Momente auf der Scheibe. Viel Moll, traurig gesetzter Gesang und heulende Gitarrenriffs geben diesem Song den nötigen Schliff, um zu beweisen, dass Eatliz auch in dieser Disziplin Potenzial haben. Hört man wiederum Attractive, so fällt auf, dass auch gerne mal experimentiert wird: Den 4/4-Takt sucht man hier vergebens und findet sich stattdessen in einem beschwingten 6/8-Takt wieder. Bei all der Vielseitigkeit: Eatliz lassen stets durchschimmern, dass sie eine Rock-Band sind und auch als solche verstanden werden wollen.

Was auf der CD zusätzlich immer wieder einsprengselhaft zu hören ist, ist die orientalische Herkunft. Gerade diese macht einen exotischen Touch in diesem wirklich gelungenen Alternative Rock aus, der nicht unbedingt in der Form zu verstehen ist, dass es ein Exoten-Bonus für Eatliz wäre, sondern so, dass er der Musik den letzten Schliff gibt, um wirklich innovativ und eigen zu sein. Eine wirklich gelungene CD, die jedem, der gerne Rockmusik hört und seinen Horizont erweitern möchte, zu empfehlen ist. Auf, dass einem beim Begriff „Israel“ baldigst als erste Assoziation der Name Eatliz einfällt!

MySpace: www.myspace.com/eatliz

Text: Marius Meyer