„Das Leben ist so schön.“ Das ist tatsächlich mal was anderes. Eine Band, die an sich eher düster daherkommt, besingt die Schönheit des Lebens. Etwas weiter ausgeführt mit den Worten: „Ich lass dich nicht fallen, ich lass dich nicht gehen, wach mit mir auf, Leben ist so schön.“ Auf sein Herz soll man hören, um zu verstehen zu beginnen. Das alles ergänzt um einen „Na na na na“-Chorus, schon hat man ein hymnisches Stück mainstream-naher Düster-Unterhaltung erschaffen. Es bei einer derart negativ wirkenden Beschreibung zu belassen, würde dem Schaffen der Band um Sängerin Ria allerdings nicht gerecht, denn schlecht ist es gar nicht mal, was die Band Eisblume auf ihrem Albumdebüt Unter dem Eis abliefert.

Auch der eingangs genannte Titel Leben ist schön ist nicht schlecht, vielmehr erschlägt einen die Plakativität und der überrumpelnde Songaufbau. Eingängig ist es. Und Sängerin Ria hat auch eine packende Stimme. Allerdings fehlt oft – und gerade im genannten Titel – so etwas wie Tiefgang. Das Handwerk wird indes durchaus gut beherrscht. Klarer Gesang, süßliche Synthies, eingängige Gitarren-Sounds, Songs mit Struktur und eine akzeptable Albumlänge können Eisblume vorweisen. Das hat auch zu diversen Erfolgen führen können. Die Debüt-Single Eisblumen stieg beispielsweise auf Platz 5 in die Single-Charts ein. Was folgte, war ein Auftritt bei The Dome. Der Erfolg gibt also auf seine Weise Recht.

Kehrseite der Medaille ist dabei bloß der bereits angesprochene häufig eher rudimentäre Tiefgang und eine weitgehend sehr glattgeschliffene Songführung. Ecken und Kanten sucht man da eher vergebens. Sie sind ganz und gar der Eingängigkeit gewichen, sodass man sich fragen muss, wie viel Kalkül dahinter zu sehen ist. Da man mit derlei Äußerungen allerdings vorsichtig sein sollte, sei dies nur als Einwurf zu verstehen, ohne dies weitergehend zu hinterfragen. Fest steht auf jeden Fall: Es ist ein sehr glattes Album, dessen Stücke häufig austauschbar wirken. Dennoch heißt es nicht, dass die Songs schlechter Qualität sein. Man kann sich Unter dem Eis gut anhören und entdeckt auch immer wieder starke Momente.

Insgesamt ist das Debüt von Eisblume somit ein ambivalentes Vergnügen. Ein Produkt, das ein hohes Potenzial mit Blick auf den massentauglicheren Marktbereich in Sachen düsterer Musik hat, manch einen Liebhaber aber vermutlich doch eher aufschrecken lassen wird. Wer auch gerne mal ein wenig Berieselung braucht, findet diese hier auf jeden Fall auf hohem Niveau vor. Für einen hohen Grad an Tiefgang aber ist man hier selten an der richtigen Adresse. Ein Album also, zu dem es schwer ist, wirklich eine einhellige Meinung zu fällen. Wer aus dem bisherigen Beschreibungen noch nicht erschließen konnte, ob er zur Zielgruppe gehören könnte, dem sei die einfache Empfehlung des Reinhörens mit auf den Weg gegeben…

Homepage: www.eisblume.de
MySpace: www.myspace.com/eisblumemusic

Text: Marius Meyer