Rezensionen & Tonträger Marius, 06.10.2006
Emplosia – Emplosia
All jene, die sich vor einem Jahr nicht den Russian Existence-Sampler gekauft haben, auf dem 16 russische Künstler Stücke von Project Pitchfork coverten, dürften mit dieser Gruppe vermutlich bisher wenig anfangen können. Da dies wohl die Mehrheit der Leserschaft darstellt, hier einige grundlegende Informationen: Emplosia gründeten sich im Jahre 2000 im russischen Saratov. Seit ihrer Gründung versuchen sie sich daran, ihren Blick auf die moderne Welt mit der elektronischen Musik als ihrem Medium auszudrücken. Dabei suchen sie durch die (wie sie es beschreiben) Ruinen der modernen Welt optimistisch nach einer besseren Zukunft. Dies versuchen sie nun erstmals auf Albumlänge. Dabei haben sie ein gelungenes Werk im Großraum Synthpop mit Einflüssen aus Dark Wave, EBM und Retropop aufgenommen.
Was schon auf dem Tribute-Sampler im letzten Jahr aufgefallen ist, fällt auch auf dem selbstbetitelten Albumdebüt von Emplosia auf: Die russische Szene hat in ihrem Klanggewand einen musikalischen Anstrich, der dem Hörer vor allem als angenehm anders auffällt und es somit schon einmal schwer macht, der Musik den üblichen Vorwurf zu machen, gängige Klischees und Zielgruppen zu bedienen.
Die über dem Album schwebende Kategorie ist – wie einleitend bereits erwähnt – der Synthiepop. Süßliche Melodien mit Eingängigkeit und dem Hang, ins Ohr zu gehen und sich dort festzusetzen, vermischen Darja und Julia mit einem hier und da vorhandenen angenehm verstörenden Zwischenton und verschiedensten Emotionen. Schaut man sich zum Beispiel den Titel Terra X an, so fällt auf, dass dieser Titel zwar ins Bein, aber auch in den Kopf geht – ein nachdenklicher Unterton ist dem Stück bereits beim bloßen Hören der Musik nicht abzusprechen. Dass diese Feststellung berechtigt ist, zeigt dann spätestens ein Blick auf den Text: Er behandelt ein düsteres Land verbunden mit dem Gefühl, sich in einer gläsernen Welt zu befinden, was sehr gut mit der eingangs erwähnten Sichtweise auf die moderne Welt korreliert.
Verstärkt auf die Nachdenklichkeit zielt unter anderem der Titel Girl from Hanau, der eher balladesk und somit etwas dark waviger wirkt, ohne dabei seine elektronische Grundtendenz zu verleugnen. Der Titel vertont die sinnbildliche Frage aus dem Fenster, verbunden mit der Suche nach dem Warum.
Trotz dieser ruhigeren Momente ist das Album im Gesamten allerdings eher als tanzbar anzusehen. Die eingängigen Melodien und die tanzbaren Songstrukturen bieten dem Hörer ein gelungenes Hörvergnügen, was aber den Blick auf die Inhalte nicht gänzlich verschleiern sollte, da es dem Werk nicht gerecht würde. Einen etwas exotischen Charakter erhält das Album zusätzlich durch seine Zweisprachigkeit: So sind die Texte teils in Englisch, teils aber auch in der russischen Muttersprache vorgetragen.
Bleibt zu hoffen, dass sich bald ein deutscher Vertrieb dieser Gruppe annimmt, verdient hätte sie es allemal, da es derlei Musik in dieser Variante hierzulande selten gibt. Wer Interesse hat, dürfte bis dahin mit den unten aufgeführten Internetseiten genug Wege zu diesem Album finden können. Bereuen sollte man es nicht. Bleibt zu hoffen, dass der Erfolg der beiden Russinnen sich mehrt und ihrer Musik baldigst eine größere Plattform ermöglicht.
Homepage: www.emplosia.com
MySpace: www.myspace.com/emplosiacom
Decadence Web Shop: www.decadancerecords.it

Text: Marius Meyer
25 Jan 2010, 12:51 pm 1.Beate…
Super Rezension!
Ich habe die Mädels vor ein paar Jahren in ihrer Heimatstadt Saratov kennengelernt.
Ich liebe die Musik von Emplosia! Englische als auch russische Vocals, die die ganze Sache exotisch gestalten dennoch ins Ohr gehen und nicht befremdlich wirken.
Es gab eine Umbesetzung und leider ist es in letzter Zeit etwas ruhig geworden. Es wird Zeit für neues Material!
Auch ich wünsche mir für die beiden eine größere Plattform, denn sie haben es sich wirklich verdient!