Ein „Kracher aus dem Cyberspace“ sollen EXT!ZE sein. Cyber – so weit stimmt diese Formulierung ja, wie schon das Cover beweist. Das dort abgebildete Quartett bringt jedenfalls jedes Attribut mit, das ein Cybergoth optisch zu erfüllen hat. Besonders den Kracher stellt man sich allerdings anders vor. Auf der sechs Tracks starken EP, die schon etwas länger in den Geschäften steht, findet sich jedenfalls eine kleine Arbeitsprobe dieser neuen Elektroband. Drei Songs, drei Remixes – keiner allerdings kann zu 100% überzeugen. Die Songs klingen zu sehr nach dem immergleichen, zwar tanzbaren, aber nie wirklich neuen Elektro, der momentan in Hülle und Fülle vorhanden ist. Die Hellektrostar-EP bietet zwar eine neue Band, aber keine neuen Einflüsse, keine neuen Ideen. Sie wirkt beliebig.

Man verstehe mich bitte nicht falsch. Der Musik aus der Cybergoth-Szene kann ich im Normalfall Einiges abgewinnen. Zwar zähle ich selbst tatsächlich nicht zu dieser Szene, möchte den szeneinternen Kleinkrieg hier aber nicht weiterschüren. Es geht mir schlicht und ergreifend um Musik, die nicht überzeugen kann.
Das Cover spricht auf jeden Fall die Zielgruppe an. Ein in Neonfarben und mit Gasmasken ausstaffiertes Quartett steht in cooler Pose vor einem Hintergrund, der verdächtig nach dem omnipräsenten Biohazard-Symbol in neongrün aussieht. Diese Farbe dominiert übrigens im gesamten Artwork – selbst das Maskottchen, eine Cyber-Fledermaus, präsentiert sich in neongrün. Neon, wohin das Auge blickt. So auffällig gestaltet, werden die angesprochenen, potentiellen Käufer die CD kaum übersehen.
Musikalisch wird auf Hellektrostar auf Altbewährtes gesetzt. Die Songs sind durchaus tanzbar und klingen nach den großen Vorbildern, die sich im weiteren Verlauf auch mit Remixes einbringen. Bei Hellektrostar klingt die Stimme etwas ungewohnt, der Song spult sich interessant nach oben. Die Band scheint musikalisch durchaus Potenzial zu besitzen. Leider geht dieses zugunsten ausgetretener Pfade, auf denen es sich nun mal bequemer läuft, unter. Auch 100% Pure Cocaine scheitert an dieser Beliebigkeit. Hinter den Songs steckt nichts Neues, sie klingen wie jede andere beliebige Veröffentlichung, die momentan in Cyber-Elektro-Kreisen hoch gehandelt wird. Die Beats, die eingesetzten Sounds und Melodien – alles ist schon zig Mal dagewesen.
Leider können auch die dargebotenen Remixes nichts mehr an diesem klaren Urteil ändern. EXT!ZEs Stil ist so nah an den aktuell angesagten Bands der Cybergoth-Szene, dass selbst sie nichts mehr aus den Songs herauszuholen vermögen. Weder der Hellektrostar-Mix von Reaper noch der 100% Pure Cocaine-Mix von Nachtmahr können aus den Stücken etwas wirklich Neues kitzeln. So bleibt am Ende vor allem Eins: Langeweile. Zumindest für diejenigen, die auf der Suche nach neuen, interessanten Bands und Sounds sind. Alle Anderen kommen zumindest in der Disco auf ihre Kosten, denn die Tanzbarkeit lässt sich keinem dieser Songs absprechen.

Zum Newcomer des Monats wurde die Band an anderer Stelle gekürt, man überschlägt sich. Cybergoth ist in, sieht man sich die Bilder der diesjährigen Gothicfestivals an, steht das außer Frage. Warum man aber ausgerechnet dieses eher beliebige Machwerk in den Himmel heben muss, ist nicht nachvollziehbar. Neues findet man hier beileibe nicht. Die musikalische Anbiederung an schon zig Mal da gewesene Sounds, Songs und Bands kann keinesfalls überzeugen, auch wenn sie durchaus tanzbar ist.

Homepage: www.extize.com
MySpace: www.myspace.com/ext1ze

Text: Lisa Kleinberger