Rezensionen & Tonträger Marius, 09.02.2008
Fettes Brot – Bettina (zieh dir bitte etwas an)
Nach ihrer jüngst erfolgten Geheimtour unter dem als Anagramm getarnten Bandnamen Bette Frost haben Fettes Brot nun eine neue Mission: In brüderlicher Union mit dem Berliner DJ- und Produzenten-Duo Modeselektor verüben Fettes Brot nun Verhüllungsakt des Menschen. Die Mission dabei: Der Generation Oversexed and Underfucked – wie sie es bezeichnen – bekommen eine Hymne. Ein Plädoyer zur Wiederverzauberung von Sex und Liebe. Mit einer gewohnt großen Portion Humor und Wortwitz bringen die drei Brote mit ihrer neuen Single einen interessanten und vor allem guten Vorgeschmack auf ihr im März erscheinendes Album Strom und Drang unter die Hörerschicht.
Ein sehr elektronisch geprägter Beat der Modeselektor-DJs eröffnet den Titel. Es quitscht und flirrt und zeigt eine Richtung, die Fettes Brot in der Vergangenheit schon öfter eingeschlagen haben: Es geht weg vom klassischen HipHop-Beat hin zu elektronisch geprägteren musikalischen Grundlagen für ihre Texte, die innovativ wirken und zeigen, dass Fettes Brot auch nach so vielen Jahren noch weit entfernt von Selbstkopiererei und altem Eisen sind. Das zeigen sie nicht nur musikalisch, sondern auch textlich, indem sie den moralischen Zeigefinger sozusagen pervertieren, dennoch aber den ernsten Hintergrund nicht vermissen lassen: „Bettina! Pack deine Brüste ein! // Bettina! Zieh dir bitte etwas an!“ kommt als Botschaft, auf dem bereits in der Einleitung erwähnten Hintergrund. Oder um es einfach noch einmal mit den Broten selbst zu sagen: „Das ganze Leben ist eine FKK-Quizshow. Und wir sind nur die gaffenden, impotenten Pornodarsteller.“
Das Hamburger Trio hat es also mal wieder geschafft: Nach Hits wie Schwule Mädchen und Emanuela knöpfen sie nahtlos an die Erfolge an. Bei einem Vorboten wie diesem darf man sich schon einmal auf Strom und Drang freuen und froher Hoffnung sein, dass auch auf Albumlänge wieder ein gelungenes Werk entstanden ist.
Homepage: www.fettesbrot.de
MySpace: www.myspace.com/bettefrost

Text: Marius Meyer