Rezensionen & Tonträger Marius, 25.02.2010
Fettes Brot – Fettes
In antichronologischer Reihenfolge hier nun die Rezension zu Fettes, wenn man so will dem ersten Teil des auf zwei Veröffentlichungen verteilten Live-Albums von Fettes Brot. Wer die Verteilung der beiden Alben auf der hiesigen Startseite sieht, wird den Sinn hinter dieser Reihenfolge schnell erkennen. Aber weg vom „Organisatorischen“… Während auf Brot anteilig mehr von den älteren Songs der Band ihren Platz finden, steht auf Fettes maßgeblicher das letzte Studio-Album Strom und Drang im Mittelpunkt. Bettina hat man sich zwar für Brot aufgehoben, aber auch die anderen Songs entwickeln hier ein großes Live-Potenzial.
Eröffnet wird allerdings gleich mit Jein, gleichermaßen der ersten Single wie auch ein Garant für Stimmung und brechendes Eis. Unterschied zur „Normalversion“ ist der hinlänglich Bekannte: Die elfköpfige Band und der neue Style. Mit Schieb es auf die Brote wird dann der Bogen zur Strom und Drang geschlagen. Wie es auch schon auf der CD der Fall ist: Hier geht es brachial zur Sache und es wird der Druck in die Musik gesteckt, der sich durch beide Live-CDs zieht. An diesen Song schließt sich auch ein Credo an, das man gut auf die Brote anwenden könnte: Eine Umfrage an das Publikum, wer jung und wer alt wäre, wird hier damit geschlossen, dass die zweiten die Ehrlichen sind, während die ersten die Glücklichen seien. Als Mittdreißiger sind die Brote zwar vom alten Eisen weit entfernt, ihre Zielgruppe dürften sie damit altersmäßig aber zu weiten Anteilen übersteigen. Und doch klingen sie jugendlicher als je zuvor.
Songs wie Der beste Rapper ist offensichtlich ich klingen mit Bläser-Einsätzen und Live-Schlagzeug sehr erfrischend und verbreiten eine positive Atmosphäre. Auch ein Song wie Automatikpistole kann hier trotz Nachdenklichkeit die gute Stimmung nur weiter anheizen. Die Gitarreneinsätze stehen dem Song übrigens ausgesprochen gut. Zwischen die Stücke von Strom und Drang mischen sich auch immer wieder ältere Stücke und Live-Songs. Hamburg Calling als The Clash-Adaption ist da ein Selbstläufer, aber auch Klassiker (sofern man sie bereits so nennen kann) wie Da draußen können da nur noch für Euphorie sorgen. Als Ende von Fettes rahmt Schwule Mädchen die Scheibe dann sehr gut ein, bevor auf Brot weitergefeiert werden darf.
Die Frage, ob es nun notwendig war, aus dieser an sich doch sehr geschlossen wirkenden Live-Veröffentlichung nun zwei Veröffentlichungen zu machen, soll jeder für sich beantworten. Dass es auch Fettes gewaltig in sich hat, ist offenkundig. Fettes Brot treten hier endgültig den Beweis an, dass sie sich zur absolute Speerspitze der deutschsprachigen Musikszene hochgearbeitet haben. Durch das Band-Feeling ist der Rahmen HipHop weit gesprengt, dennoch wirken sie in jeder Note echt in dem, was sie machen. Musik, die völlig berechtigt eine breite Zielgruppe anspricht und zeigt, dass Tiefgang und ernste Themen auch mit Humor angegangen werden kann, unter dessen Oberfläche sich mehr verbirgt, als man beim flüchtigen Hinhören denken könnte.
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Homepage: www.fettesbrot.de
MySpace: www.myspace.com/bettefrost

Text: Marius Meyer