Rezensionen & Tonträger Marius, 12.03.2008
Fettes Brot – Strom und Drang
Fettes Brot, das ist auch mal wieder so eine lange Geschichte… Gründungsjahr 1992 – man kann also mit Fug und Recht hier von einem Urgestein in Sachen deutschsprachiger HipHop sprechen. Nachdem sie im vergangenen Dezember bereits unter dem Pseudonym Bette Frost ihr Album in den deutschen Clubs präsentiert haben, ist es nun auch höchstoffiziell soweit: Strom und Drang erblickt das Licht der Welt und der Plattenläden. Darauf zeigen die Brote sich in bester Tradition ihres Schaffens und beweisen, dass sie längst nicht zum alten Eisen gehören. Ausgefeilte Musik trifft auf durchdachte Texte mit Selbstironie und Tiefgang.
Oder um die offizielle Albuminfo zu zitieren: „Drei Männer, die die Gewalt(en) unserer Zeit so ernst nehmen, dass sie nur darüber lachen können.“ Mit diesem Oxymoron ist die Essenz von Strom und Drang beinah schon auf den Punkt gebracht: Hier werden ernste Themen behandelt, bloß der Umgang damit fällt anders aus, als es sich manch einer vorstellt und vermutlich auch anders, als es manch einer gerne hätte. Nachdem man in der Vorabsingle schon Bettina aufforderte, sich doch lieber etwas anzuziehen und somit eine Anti-Hymne zum Thema „oversexed and underfucked“ präsentierte, bewegt man sich nun abwechslungsreich auf Albumlänge in derlei Gefilden.
Sicher, die ernsten Themen sind vorhanden. Man nehme einen Titel wie den Grüner Zweig: Auf einem eigentlich munter anmutenden Beat geht es um den ewigen Kampf mit dem Schicksal und dem Willen, endlich das zu bekommen, was einem zusteht. Eine Art Aufbruch, die textlich ausgefeilt und souverän vorgetragen wird. Heiterer hingegen ein Titel wie Der beste Rapper Deutschlands ist offensichtlich ich, der eine gelungene Persiflage auf ebenjene darstellt, die genau das wirklich von sich behaupten wollen und möglichst noch genau dies zum Hauptgegenstand ihrer Texte machen. Man sieht: Wichtig ist immer das zwinkernde Auge bei aller Ernsthaftigkeit – was auch Das traurigste Mädchen der Stadt demonstriert. Ein Mädchen alleine in der Disko, oberflächlich betrachtet also ein klarer Fall von traurig – so lange, bis sie sich selbst in diese Betrachtungen einmischt…
Fettes Brot haben es also wieder geschafft: Auch die achte Veröffentlichung auf Albumlänge ist eindeutig gelungen geworden. Der Hamburger Dreier beweist, dass auch im Jahr 2008 noch deutschsprachiger HipHop möglich ist fernab von inhaltsleerer Poserei und Phrasendrescherei. Fettes Brot präsentieren sich sehr erfrischend, behandeln ernsthafte Themen nebst heiteren Inhalten und packen diese in zwar tiefgängige, aber gleichermaßen mit zwinkerndem Auge versehene selbstironische Texte. Da kann man nur sagen: Hut ab!
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Homepage: www.fettesbrot.de
MySpace: www.myspace.com/bettefrost

Text: Marius Meyer