Fields of the Nephilim – Mourning Sun Die Fields of the Nephilim sind wieder da. Besser gesagt: Carl McCoy und eine Schar nicht weiter erwähnter Musiker um ihn herum. Dennoch: Carl McCoy personifiziert die Fields of the Nephilim und hat nun nach 15 Jahren tatsächlich ein neues Album fertig bekommen, das im Gegensatz zum unfreiwilligen, ohne Einverständnis McCoys von Jungle Records ungefragt veröffentlichten Album Fallen, das bloß rohe Demo-Versionen beinhaltete, zu denen sich das Label Songtitel ausdachte, von Carl McCoy abgesegnet ist und somit als legitimer Nachfolger der Elizium gelten kann. Der Unterschied zur Fallen wird auch schnell deutlich. Nicht nur an den wesentlich ausgefeilteren Arrangements, sondern auch an den reinen Songlängen, die gerne mal die sieben Minuten überschreiten.
Ein Blick auf die Tracklist zeigt erst einmal, dass das Werk bloß sieben Titel beinhaltet – ein Blick auf die Gesamtdauer zeigt allerdings 55 Minuten (ohne den Bonustrack In the year 2525, der sich auf der limited Edition findet) und somit deutlich mehr, als manch andere Band mit 12 oder mehr Stücken auf einem Album veröffentlicht.
Mit dem das Album eröffnenden Shroud (Exordium) liegt ein typischer Opener in bester Fields-Manier vor. Ruhig, irgendwie bedrohlich, atmosphärisch, mit düsteren Soundscapes. Spannung baut sich auf und wird im folgenden Straight to the Light belohnt. Explosionsartig beginnen stakkato-artig die Gitarrenriffs, atmosphärisch klingt es allemal und in den Strophen klingt Carl McCoy auch sehr eingängig – glücklicherweise ist man vom Gesangsstil, der auf der Fallen herrschte, wieder abgewichen: Weniger Metal, mehr Fields of the Nephilim.
Es folgt – mit einer Spieldauer von knapp acht Minuten – sicherlich eins der Songhighlights des Jahres 2005: New Gold Dawn. Von einem legitimen Nachfolger von Last Exit for the Lost zu sprechen, wäre eventuell ein wenig überzogen, aber wenn ein Stück das Zeug dazu hätte, dann dieses. Eingängig, extrem finster, dennoch beinah hymnisch, vereinigt es verschiedenartigste Elemente zu einem großartigen Stück Musik, wie es nur wenige zu schaffen vermögen. Das Stück Xiberia (Seasons in the Ice Cage) reiht sich da wunderbar ein. Ein weiteres großartiges Stück Gothic Rock, wie der Großteil der Fields-Anhängerschaft es sich vermutlich nicht mehr zu erwarten getraut hat. Sehr überzeugend!
Die drei bisher nicht erwähnten Stücke Requiem XIII 33 (Le Veilleur Silencieux), She und das Titelstück Mourning Sun bieten den ruhigeren Gegenpol. Ruhig und tragend, durch Carl McCoys Stimme einzigartig gemacht. Breite Gitarrenwände treffen wir auch durchaus hier an. Finster, melancholisch, Fields. In diesen ruhigeren Stücken offenbart sich aber auch ein wenig die Kehrseite des Albums. Sie sind zwar sehr schön, aber wirken teilweise doch etwas langatmig – rechnen wir dann noch das Intro dazu, bleiben drei absolute Highlights, ein Intro und drei tragendere Stücke, die zwar durchaus kostbares Klanggut darstellen, aber einen Großteil des Albums einnehmen. Ein Stück mehr im Stile von New Gold Dawn hätte dem Album sicherlich gut getan.
Dennoch liegt hier eines der überraschendsten Alben des Jahres 2005 vor. Ein Album, das eindeutig für sich steht, den alteingesessenen Fields-Hörer begeistern dürfte und dem sich auch neuere Hörer nicht verschließen sollten.

Erfreulich ist abschließend auch die Meldung auf der offiziellen Homepage: Im Jahre 2006 soll es eine ausgedehnte Tournee um die ganze Welt geben. Nach diesem Album sollte sich die Vorfreude schnell einstellen.

Homepage: www.fields-of-the-nephilim.com

Fields of the Nephilim – Mourning Sun

Text: Marius Meyer