Dass die alpine Bergwelt viele Legenden hat, über die es sich noch immer lohnt zu erzählen und zu singen, ist nicht unbedingt etwas Neues – ob nun Sturmpercht aus Österreich, Jägerblut aus Bayern oder seit einiger Zeit Arnica aus Spanien: Stets werden mit traditionellen Instrumenten Mythen musikalisch aufgearbeitet. Ein relativ junges Projekt, das in eine ähnliche Kerbe schlägt, ist Fräkmündt, die sich den Sagen ihrer Heimat – der Schweizer Bergwelt – verschrieben haben. Vergleiche zu den Österreichern von Sturmpercht können da natürlich nicht ausbleiben, gibt es auch genug Parallelen: Teils gibt es lustige und heitere Lieder, teils werden düstere Sagen vertont, wobei der Gesang in Mundart ist und meist verschroben wirkt.

Dennoch haben Fräkmündt genug Eigenständigkeit, weswegen man keinesfalls von einem Schweizer Abklatsch reden kann, was vor allem daran liegt, dass man bei Fräkmündt tatsächlich genug Eigenständigkeit feststellt. Gerade bei sakralen Liedern wie Sennetuntschi, Simmeliberg oder Mondmöuchsloch merkt man dies besonders, wobei erstere düster-bedrohliche Ambientstücke sind.
Anders, aber nicht weniger effektiv, funktioniert es beim urigen Herbschtmanet oder Die alte Schwyzer, welches mit einem Sample, das (scheinbar) aus einem Heimatfilm stammt, beginnt und endet. Einzig schade ist nur, dass man selbst nach mehreren Hördurchgängen als mit Hochdeutsch und nicht mit Schweizerdialekt aufgewachsener Mensch das Schwyzerdütsch nicht immer perfekt versteht.

Ohne diesen wäre das Album allerdings auch nur halb so gut. Und was am meisten erstaunt, ist, dass man selbst, wenn man denkt, dass das Alpinfolk-Genre langsam mehr als ausgenudelt wurde, man Fräkmündt wirklich zugestehen muss, dass genau das auf sie nicht zutrifft. Fräkmündt machen alles richtig und die Mischung aus Ambient-Stücken und urigem Folk schafft es, sowohl zu überraschen, als auch eine archaische Stimmung zu erzeugen, die man sonst selten erlebt.

Homepage: www.fraekmuendt.com
MySpace: www.myspace.com/fraekmuendt

Text: Tristan Osterfeld