Na die haben sich aber wirklich Zeit gelassen. Muss man sagen. Über drei Jahre Vorlauf zum neuen Album Tonight: Franz Ferdinand waren es nun, bevor es endlich das Licht des Marktes erblicken konnte. Aller guten Dinge sind drei, mag man sich gedacht haben, schließlich ist es ja auch das wegweisende dritte Album. Eigentlich war es aber auch dieses typische Ermüdungs-Ding: „Ende 2006 waren wir ausgebrannt – physisch, emotional und kreativ“, gibt der Vierer Selbstauskunft zum neuen Album. Da wird erstmal an anderen Projekten geschraubt oder wahlweise eine Familie gegründet, bevor man mit neuen Kräften unvoreingenommen an neue Werke geht. Geschadet hat es auf jeden Fall nicht und so gesellt zum BritRock nun eine deutlich hörbare Disco-Komponente.

Ehe jetzt der Aufschrei kommt: Franz Ferdinand sind natürlich Franz Ferdinand geblieben. Es gibt keinen großen Drang, unbedingt etwas Neues machen zu müssen. Einfach nur eine unbedarfte Heransgehensweise, die im Endeffekt zu dem geführt hat, was es nun geworden ist. Die Vorab-Single Ulysses konnte es ja schon zeigen, wie man sich den Sound der Band anno 2009 vorzustellen hat: Britische Rockmusik mit diesem typisch-zeitgemäßen 60s-Einschlag, bei der Eingängigkeit groß geschrieben wird, aber man die Glattbügelung vergeblich sucht. Und was dabei auffällt: Ein erstaunlicher Groove. Man merkt ihn auch bei Titeln wie Twilight Omens, das von elektronischen Synthie-Spielereien eröffnet wird, um sich danach aber doch eben dem typischen Sound der Band hinzugeben.

Dennoch aber gibt es einige Titel, in denen der Disco-Sound mehr in den Vordergrund tritt. Vor allem gegen Ende beweist man Mut zur Spielerei. Ein Titel wie Live Alone beispielsweise befindet sich da schon im Grenzbereich zum Hybrid. Zwar sind hier „echte“ Instrumente herauszuhören, aber der entstehende Sound mutet recht elektronisch an. Was man jedoch nicht vergessen sollte: Tanzbar war der Klang der Band schon immer. Richtig aus dem Rahmen fallen – zumindest bei den ersten Eindrücken – mag dann Lucid Dreams, das den Disco-Beat endgültig nicht mehr verleugnen kann und sich auf fast acht Minuten Länge zu einem Elektro-Stück gepaart mit 60er-Garagen-Feeling entwickelt.

Trotz elektronischer Ausreißer ist aber festzustellen: Der innere Zusammenhang geht auf dem Album nicht verloren. Die 42 Minuten durchleben eine schlüssige Entwicklung und auch das Album als Gesamtes ist eine im Endeffekt logische Weiterentwicklung nach den beiden Erstlingen. Vielleicht hat die lange Pause der Band sogar gut getan. Sackgassen wurden so zumindest gemieden. Dafür beweisen Franz Ferdinand auf Tonight: Franz Ferdinand, dass sie in der Zwischenzeit nicht untätig waren, sondern ihre Hausaufgaben souverän gemeistert haben. Trotzdem: Sie dürfen die Pause beim nächsten Mal auch gern wieder verkürzen.

Weitere Artikel
Rezension: Franz Ferdinand – You could have it so much better

Homepage: www.franzferdinand.co.uk
Homepage: www.myspace.com/franzferdinand

Text: Marius Meyer