Rezensionen & Tonträger Marius, 05.11.2005
Franz Ferdinand - You could have it so much better
Dass Tonträger mitunter wie ein guter Wein sind, ist dem geneigten Musikliebhaber (in Abgrenzung zum gemeinen Massenmedienkonsumenten) zumeist bekannt. Je länger die Lagerung, desto besser die Qualität. Dies trifft auf viele Tonträger zu, weshalb es auch kein schlechtes Zeichen ist, wenn eine CD bei den ersten Durchgängen den Gehörgang zwar trifft, aber eben nicht auf die unter Umständen erwartete angenehme Art und Weise. Geht man nun noch einmal auf den Vergleich mit dem guten Wein zurück ist es aber so, dass man nach der Lagerung auch mit dem Anspruch an den Wein geht, ihn in vollen Zügen genießen zu können. Zumindest für gewöhnlich. Vergleicht man diese Herangehensweise nun mit dem neuen Werk von Franz Ferdinand, so passierte es hier, dass nach langer Lagerung eher die Vermutung entstand, der Wein solle möglichst schnell herunter und die Flasche möglichst fix ins Altglas – oder um diese kryptische Ausdrucksweise einmal zu verlassen: Ein letzter Durchlauf der CD im Player und erst einmal ab in die ewigen Jagdgründe der Tonträgersammlung.
Doch dann passierte es: Der Tonträger blieb angenehm im Gehörgang. Wo vorher stets eher der Gedanke der Belanglosigkeit herrschte, trat nun plötzlich Begeisterung auf. Natürlich gibt es auf dieser Scheibe kein zweites mal Schampus mit Lachsfisch, dafür aber ein Werk, das auf dem Großteil der Strecke überzeugen kann, ohne dass die Langeweile eintritt, was leider beim Vorgänger schnell der Fall war. Franz Ferdinand haben den Langeweilekoeffizienten erfolgreich getilgt und gezeigt, dass sie doch keine Eintagsfliege oder gar ein weiterer überflüssiger Hype waren. Wie das? Dynamisch, mit Können, mit hörbarer Freude an ihrem Schaffen. Die im Gesamterscheinungsbild oft als intendiert vermutete Antithese zur Coolness weicht dem Gegenteil. Der Spirit der 60er trifft auf längst vergessen geglaubte BritPop-Elemente mit Freude zum Gitarrenriff. Natürlich mit dem absolut bandeigenen Stil. Auf 13 Stücken eigen die Briten eine große Bandbreite ihres Könnens. Nicht nur im Gesamteindruck und in der Länge wurde das Debüt überboten, sondern auch im Facettenreichtum. Mit eleanor put your boots on gibt es auch eine wirklich taugliche Ballade, die neben einigen beatlesquen Einflüssen eine deutliche Weiterentwicklung der Band zeigt. Experimentierfreudigkeit zeigt auch der Mut zu Tempiwechseln wie in i’m your villain und vereinzelte Gitarrensolo-Einlagen, um nur zwei weitere Aspekte zu nennen. Insgesamt bleibt nur zu sagen: Ganz groß. Ein schickes Artwork rundet ab und gibt durchaus Kaufgrund.
Zum Abschluss ein guter Ratschlag für dieses Album: Geduld bewahren…
Homepage: www.franzferdinand.co.uk

Text: Marius Meyer