Rezensionen & Tonträger Marius, 22.04.2006
Gae Bolg – Requiem
Eric Roger – besser bekannt unter seinem Künstlernamen Gae Bolg – ist wieder da. Während sich der ehemalige Trompeter von Sol Invictus auf seinem 2005er Album Aucassin et Nicolette dem gleichnamigen französischen Literaturklassiker annahm, ist sein neues Werk rein persönlicher Natur. Der Titel verweist bereits drauf: Es handelt sich um ein Requiem, eine Totenmesse also. Diese ist Eric Rogers im Laufe der letzten drei Jahre verstorbenen Familienmitgliedern und Freunden gewidmet und thematisiert somit ein Gebiet, das intimer kaum sein könnte.
Bereits im Intro und dem darauf folgenden Dies Irae wird die Marschroute des Albums klar abgesteckt: Bombast, Schwermut und Pathos sind Begriffe, die sich anführen lassen. Pathos hier aber ohne die oft mitschwingende negative Konnotation, sondern durchaus berechtigt und dem Album angemessen.
Von der dazugehörigen Instrumentierung her steht erneut eindeutig das Mittelalter im Vordergrund. Flöten, Pauken, Trompeten, chorale Gesänge und vereinzelt sogar ein Glockenspiel (so zum Beispiel im Stück La Flamme S’Eteint, Une Vie Renait) verleihen dem Album die entsprechende musikalische Untermalung, um der Bezeichnung Requiem auch gerecht zu werden. Weitere Authentizität verleihen die teils lateinisch gehaltenen Titel der Stücke.
Der bereits eingangs erwähnte Bombast des Albums tritt unter anderem im March Au Tombeau hervor, dessen Dramatik durch das stakkatoartige Trompetenspiel gut unterstrichen wird, wodurch es gleichzeitig auf Rogers musikalische Wurzeln verweise. Überhaupt lässt sich der Trompete eine oft richtungsweisende Wirkung auf dem Album zusprechen. Im Stück Hymne – einem der wohl traurigsten Stücke des Albums – schafft sie es auch, den trauernden Charakter hervorzuheben.
Auch die anderen Stücke sowie die weitere Instrumentierung und die weiteren musikalischen Elemente explizieren das Charakteristikum Requiem auf ansprechende Weise: Die kirchlichen und choralen Elemente tragen ebenso zur Dynamik des Albums bei – beispielsweise ist die Orgelmusik, die man vor allem in den drei Choral-Stücken findet ein weiterer wichtiger Eckpfeiler des Albums. Nicht zuletzt ist auch das Flötenspiel nicht unter den Tisch zu kehren, das vor allem im Totentanz den treibenden Charakter dieses Stückes mitbestimmt.
Im Gesamten betrachtet schafft dieses Album es, genau die Gefühle zu evozieren, die der am Requiem Teilhabende dabei durchlaufen könnte: Schmerz, Trauer, Melancholie, aber auch selten mal einen dezent feierlichen Charakter (schließlich gibt es auch den Begriff der Trauerfeier). Das Gesamtwerk besticht somit durch eine akribische Liebe zum Detail. Gae Bolg beweist durch sein Requiem, dass er die Besungenen wirklich sehr, sehr gern gehabt haben muss und setzt ihnen hiermit ein würdiges musikalisches Denkmal!
Label-Homepage: www.auerbach.cd

Text: Marius Meyer