Rezensionen & Tonträger Marius, 31.05.2008
Gavin DeGraw – Gavin DeGraw
Es ist ja im Grunde die klassische Geschichte: In seinem Heimatland einer von den ganz Großen, bei uns gänzlich unbekannt. Ein Schicksal, das vielen Musikern zuteil wird, so auch diesem hier. Diesmal an der Reihe: Gavin DeGraw, seines Zeichens Amerikaner, der in seiner Heimat so etwas wie ein Dauergast bei den LateNight-Giganten David Letterman, Jay Leno und Carson Daly ist, Absätze in Millionenhöhe vorweisen kann, über den großen Teich hinaus aber irgendwie zwischendurch untergegangen ist. Dass das schade ist, beweist er auf seinem Zweitling, den er schlichtweg zur besseren Titeleinprägung nach sich selbst benannt hat. Darauf zu finden: Stark Singer/Songwriter-inspirierte Rockmusik, die etwas typisch Amerikanisches an sich hat.
Was ist dieses typisch Amerikanische? Man denkt dabei an Bands wie Maroon Five, Matchbox 20 und John Mayer – Bands, die etwas an sich haben, was sie für breite Hörerschichten interessant macht, die sich aber trotzdem angenehm von gängigen Top-Sellern abheben. Gruppen, die irgendwie catchy sind, sich einprägen, obwohl sie eine ganz schöne Eingängigkeit haben, dabei aber eigentlich nicht wirklich von sich behaupten können, sonderlich viele Ecken und Kanten zu haben. Manchmal ist es eben einfach nicht schlimm, wenn die Musik auch einfach mal sehr rund ist. Sie gefällt schnell und ist doch nicht einfältig.
Zwar geht die Instrumentierung über diesen Rahmen hinaus, dennoch atmet die Musik stark den Geist des Singer/Songwriter. Und das mit einem gelegentlich souligen Touch dabei. Young Love beispielsweise. Eine Ballade, die im mittleren Tempo von Gitarrenharmonien, Moll, Nachdenklichkeit und eingängigem Gesang lebt. Aber es muss gar nicht immer so nachdenklich sein. Betrachtet man Titel wie I Have You To Thank, dann geht es locker-flockig los, die Gitarre spielt fröhlich anmutende Riffs und ein sommerlicher Klang ist nicht überhörbar. Ob so oder so: Es steckt hörbar Gefühl in der Musik. Und das ist es wohl auch, was trotz aller Eingängigkeit und wenig Ecken und Kanten dafür sorgt, dass die Musik etwas hat, was sich abhebt.
Man muss natürlich schon sagen, dass das ein wenig den Rahmen dessen sprengt, was noch Alternative Rock ist. Klar wird hier auch mal auf Eingängigkeit und Massentauglichkeit geschielt. Aber das sollte auch mal erlaubt sein. Denn ob nun Alternative oder nicht: Gelungene Rockmusik im ganz klassischen Sinne. Und diese spricht auf jeden Fall den Hörer dieser Art von Musik an. Und um auf die klassische Geschichte aus der Einleitung noch einmal zurückzukommen: Wieso gibt es eigentlich immer wieder solche Bands, die am einen Ort problemlos als Mainstream gelten können, am anderen Ort aber so wenig wahrgenommen werden können? Ein wenig Aufmerksamkeit könnte diesem Album ganz und gar nicht schaden.
Homepage: www.gavindegraw.com
MySpace: www.myspace.com/gavindegraw

Text: Marius Meyer