Immer und immer wieder passiert es: Da sind Bands unter uns, die man eigentlich kennen sollte, die es bereits weit gebracht haben, die ein gewisses Renommee für sich beanspruchen können… Und doch: Wenn man auf einmal die dazugehörige CD im Briefkasten findet, kann man mit dem Namen der Band erst einmal nichts anfangen. Aktueller Fall: Gazpacho. Mit Marillion haben sie bereits getourt, seit bald 15 Jahren veröffentlichen sie Platten und nun begegnet einem als Erstkontakt auf einmal ein Live-Album als Package aus zwei CDs und einer DVD – aufgenommen auf der legendären Loreley-Bühne im Rahmen des „Night of the Prog“-Festivals. Und die kunstvollen Rock-Klänge können auch schnell begeistern.

Zunächst einmal bemerkt man gleich: Hut ab für den guten Sound! Die Klänge hier sind glasklar – was hier von einer Live-Aufnahme zeugt, sind somit nur die Variationen zu den Album-Versionen, der Applaus sowie die Ansagen der Band. Gazpacho spielen hier einen Sound, der zwar gerne als Artrock tituliert wird und auch durch die Aufnahme beim „Night of the Prog“ bereits eine erste Einordnung bekommt, diesen Bezeichnungen aber beiden nur bedingt gerecht wird. Zwar sind die Arrangements verschachtelt und teilweise auch ziemlich komplex, was auch die Songlängen häufig zeigen (schließlich benötigen die 14 Songs eine Doppel-CD und bringen es auf über 1:50 Stunden), aber Gazpacho haben auch sehr geradlinige Momente, in denen der Rock wirklich im Vordergrund steht. Eine Verkopfung wie bei anderen Bands, die sich Prog auf ihre Fahnen schreiben, trifft man hier in dem Maß nicht an. Was „Prog“ und „Art“ hier definiert, sind vor allem die getragenen Passagen mit perkussiven Klängen, die oft schon ins Rituelle gehen. Dennoch steht die Gitarre die meiste Zeit im Vordergrund. Wer einmal ein Konzert auf der Loreley-Bühne gesehen hat, wird sich schnell in die Atmosphäre versetzen können, wenn er Gazpacho hier spielen hört.

Wenn man die Loreley bisher nur vom Hörensagen kennt: Gar kein Problem – schließlich ist ja auch eine DVD mit im Paket enthalten. Hier kann man sich das alles einmal live ansehen. Sowohl Gazpacho, als eben auch die Atmosphäre. Und da es dunkel ist, entfaltet sie sich hier auch gänzlich. Im Dunkeln perfekt ausgeleuchtet präsentieren sich Gazpacho in bester Spiellaune, lassen auch klassische Instrumente wie die Violine mit auf die Bühne und spielen sich durch ihr Set. Neben dem Gesamtwerk Tick Tock ist hier auch nahezu die komplette Night (Vorgängeralbum) enthalten. Hinzukommen drei Kompositionen der ersten beiden Gazpacho-Veröffentlichungen. Das alles dargeboten mit dem besonderen Zauber der Loreley. Man bekommt direkt Lust, mal wieder ein Konzert dort erleben zu dürfen.

Es lässt sich konstatieren: Die musikalische Horizont-Erweiterung hat sich ein weiteres Mal gelohnt. So plötzlich wie der Name Gazpacho nun auch ins Gedächtnis trat – den Weg dort raus zu finden, dürfte schwer für ihn werden.

Homepage: www.gazpachoworld.com
MySpace: www.myspace.com/gazpachomusic

Text: Marius Meyer