Rezensionen & Tonträger Tristan, 02.11.2009
Geneviéve Pasquier – Le Cabaret Moi
Um zunächst mal einen weit verbreiteten Irrtum aus der Welt zu schaffen: Nein, es ist nicht schön, dass es Musik gibt, die man eigentlich nicht richtig einordnen kann und die schwer zu beschreiben ist. Okay, es stimmt nicht ganz, denn es mag bei einem interessierten Musikliebhaber durchaus der Fall sein, dass man sich über Musik abseits der gewohnten Pfade freut, aber wenn man eine CD vor sich liegen hat, zu der man eine Besprechung schreiben muss, kann so was auch einfach mal die Pest sein, da man nicht weiß, wo man anfangen soll. Le Cabaret Moi ist genau so ein Fall, auch wenn vielleicht die grobe Umschreibung „80er-Elektro trifft auf Industrial und Kabarett“ sehr treffend ist, so sehr blendet sie all das aus, was dieses Album noch zu bieten hat.
Und das ist schon einiges, was Frau Pasquier da auf ihrem dritten Album geschaffen hat: Die Spannweite reicht dabei von rhythmisch pulsierenden Stücken wie Bouge, dem antreibenden 10000 Miles hin zu Tracks wie Emotion 1, auf denen nur Rauschen mit Stöhngeräuschen zu hören ist. Dabei wird der Hörer sehr gekonnt von einem Wechselbad ins nächste geworfen: Erklingen zunächst minimalistische Arrangements, findet man sich plötzlich in krachigen Noise-Passagen oder beinahe poppigen Wave-Stücken wieder – stets begleitet von der mal erotisch-verführerisch, mal verletzlich, mal geheimnisvoll anmutenden Stimme der Sängerin.
Highlight des Albums ist auf jeden Fall der Titeltrack, der wirklich wie eine elektronische Version des 20er Jahre-Kabaretts klingt. Neben diesem ist noch eine Coverversion von Warm Leatherette mit viel Rauschen zu finden.
Le Cabaret Moi kann man sich zwar nicht ständig anhören, da man in der Stimmung sein muss, um sich darauf einzulassen. Wenn man es aber tut, dann weiß dieses Album zu begeistern und zu fesseln, was Le Cabaret Moi zu einem sehr gelungenen Elektro-Album macht.
MySpace: www.myspace.com/genevievepasquier

Text: Tristan Osterfeld