Zugegeben, es ist schon ein ganz allgemein schwieriges Terrain, auf dem Konstantin Gropper alias Get Well Soon sich mit seinem zweiten Album Vexations bewegt. Dass zweite Alben als solche stets besonders schwierig sind, gehört längst in den Bereich der Binsenweisheiten. Und auch, dass Gropper als vor gut zwei Jahren aus dem Nichts emporgehobener deutscher Musterschüler und Wunderjüngling ganz besonders der Gefahr aller Musterschüler und Wunderjünglinge unterliegt, aus dem Stand vom bevorzugten Hype zum frenetisch niederzuschreibenden Nervobjekt erklärt zu werden, ist trauriger Standard im stets etwas wankelmütigen Selbstbildnis der Indie-Szene. Dass es sich Konstantin Gropper aber mit dem Vorhaben, Vexations ausgerechnet auch noch zu einem Konzeptalbum zum Thema „Stoizismus“ zu entwickeln, selbst unnötig schwer macht, dürfte denn wohl tatsächlich an irgendetwas zwischen „mutig“ und „überambitioniert“ grenzen. Hätte sich der gebürtige Baden-Württemberger also für viele Monate, wenn nicht gar Jahre vergraben, um seinen Zweitling bloß nicht zu verhauen, es hätte sich wohl niemand gewundert. Doch genau das Gegenteil ist geschehen, denn anstatt sich erdrücken zu lassen von der Last der Erwartungen, hat Gropper mit fast schon unheimlicher Betriebsamkeit reagiert und das gesamte Werk in gerade einmal gut acht Wochen Monaten Produktionszeit aus dem Ärmel geschüttelt. Womit wir auch gleich einmal beim ersten ganz großen Ei des Albums angelangt wären, denn das Vexations sich auch nur im Ansatz wie ein billiger Schnellschuss anhört, kann man nun wahrlich nicht behaupten. Im Gegenteil, wie schon beim Debüt Rest Your Weary Head, You Will Get Well Soon gelingt Konstantin Gropper erneut das Kunststück, seine Platte mit dem edlen Schleier einer hochgradig erlesenen Veranstaltung zu überziehen. Wie schon Rest Your Weary Head… lebt auch Vexations dabei nicht nur von Groppers (erneut als eindrucksvolles Fundament dienender) klassischen Musikerausbildung, sondern von seiner melancholischen Detailverliebtheit, die nicht zuletzt dafür verantwortlich sein dürfte, dass er auch längst als Filmkomponist ein gefragter Mann ist. Sei es seine schwere, die Platte wie ein dunkles Band zusammenhaltende Stimme, der immer wieder tragisch in Szene gesetzte Einsatz von Streichern und Bläsern oder aber auch ganz einfach die Verspieltheit und der Erfindungsreichtum, die nun offenbar ein jedes Gropper-Album zu einer wahren Wundertüte an selten gehörten Instrumenten und Klängen werden lassen – wohl selten wurden Schwermut, Desorientierung und Verzagtheit beglückender und lebensbejahender in Szene gesetzt als bei Vexations>/em>. Es wird natürlich niemals abschließend geklärt werden können, ob es nun einfach der Tatsache zuzuschreiben ist, dass Vexations nun im Gegensatz zum in Heimarbeit am PC zusammengeschusterten Vorgänger von der Mitarbeit diverser Gastmusiker unter hochprofessionellen Bedingungen profitieren konnte oder ob Konstantin Gropper als Songwriter, Arrangeur, Instrumentalist und Produzent in den vergangenen Monaten tatsächlich ganz einfach noch einen weiteren künstlerischen Quantensprung hingelegt hat. Fest steht jedoch, dass Vexations eine selten zuvor – und in diesem Maße schon gar nicht auf Rest Your Weary Head… – erlebte Kombination aus Eleganz und Wärme ausstrahlt, die ein oder andere spröde Kante des Debüts abschüttelt ohne dabei jedoch in glatte Überproduziertheit zu verfallen. Sicher, manch Kritiker mag bereits anmerken, dass Gropper etwas zu übereifrig darin ist, Kunst und Intellektualität zu verspritzen, dabei beständig Gefahr läuft zu viel zu wollen und seine Songs mit seinen vielen Ideen zu überfrachten. Die simple Tatsache jedoch, dass es ihm gelingt bei aller potentiellen Verkopftheit mit Songs wie Angry Young Man, We Are Ghosts, 5 Steps/7 Swords und allen voran We Are Free so nebenbei auch noch zumindest vier glasklare Hits abzuliefern, verleiht Vexations endgültig das Prädikat „Meisterwerk“.

Homepage: www.youwillgetwellsoon.com
MySpace: www.myspace.com/youwillgetwellsoon

Text: David Wonschewski