Rezensionen & Tonträger Marius, 20.05.2006
Graumahd - Cheru
Lange hat man drauf gewartet, nun ist es da: Das Debüt-Album der österreichischen Neofolk-Formation Graumahd. Genug Aufmerksamkeit war bereits durch verschiedene Compilation-Teilnahmen gegeben, durch das Album-Debüt dürfte diese sich noch weiter erhöhen. Verdient hätte es die Aufmerksamkeit auf jeden Fall, denn selten wird so gekonnt neofolkloristische Musik in Reinform dargeboten, ohne dabei peinlich zu wirken oder Klischees zu bedienen. Naturverbundenheit, Lagerfeuer-Romantik und treibende Trommeln gepaart mit ruhigen Momenten geben dem geneigten Hörer genau das, was er von dieser Scheibe erwartet.
Der Opener Die letzte Nacht offenbart sich gleich als ein Highlight des Albums, bei dem die einleitend erwähnten Merkmale gekonnt kombiniert werden: Die Gitarre spielt treibend Akkorde und wird dabei von den Trommeln packend unterstützt, während der Gesang beschwörend wirkt und die angesprochene Naturverbundenheit zeigt. Neben dem treibenden Charakter wird deutlich, was bei Graumahd ebenfalls sehr angenehm auffällt: Oft begegnen einem auf dem Album eingängig auf der Akustik-Gitarre gespielte Harmonien
Diese Harmonien entfalten ihre Schönheit gar nicht so sehr in den schnelleren, treibenderen Stücken, sondern eher in den ruhigeren Stücken. So ist es zum Beispiel in Ohne Welt der Fall, in dem sich ein solcher Melodieverlauf leitmotivisch durch das Stück zieht und somit den Grundstein für die Eingängigkeit, die vor allem in diesen ruhigeren Stücken anzutreffen ist, legt.
In Stücken wie dem titelgebenden Cheru und Jahreskreis 2.005 werden beide Elemente kombiniert: Treibend geschlagene Trommeln treffen auf eingängige Harmonien und kombinieren diese auf eine Art und Weise, die in diesem Genre selten anzutreffen ist. Auf diese Weise wird trotz aller der Stücke innewohnenden Dynamik der Gänsehautcharakter gewahrt.
Mit den genannten Mitteln zaubern Graumahd ein abwechslungsreiches Album, das in sich sehr geschlossen wirkt, aber dennoch dabei fast jedes Stück für sich als eine Perle für sich darstellen kann. Neben dem abwechslungsreichen Spiel der Instrumente ist auch die Instrumentierung an sich vielseitig: Neben den erwähnten Trommeln und Akustik-Gitarren trifft man auch auf Cello, Klarinette, Flöte, Piano und Harmonium, wobei letzteres von Labelchef Albin Julius höchstpersönlich gespielt wird. Evtl. könnte man dies als Dank für die Mitarbeit Jörgs von Graumahd am letzten Blutharsch-Album (was ebenso auf dieser Seite rezensiert wurde) werten, fest steht auf jeden Fall, dass es sich gut ins Klangbild einfügt.
Selten wirkte ein Neofolk-Album so puristisch und dabei doch so spannend. Wenn man so will, könnte man Graumahd als die österreichische Antwort auf Forseti bezeichnen – nicht so sehr im Klangbild, sondern eher in der Herangehensweise an diese Art von Musik. Jenseits aller Vergleiche beweisen Graumahd auf ihrem Erstling definitiv, dass sich das Warten gelohnt hat. Gerade durch Veröffentlichungen wie Cheru wird deutlich, dass es um die angebliche Stagnation im Neofolk doch nicht so schlimm stehen kann… Sehr empfehlenswert!
Label-Homepage: www.hauruck.org

Text: Marius Meyer