Heavy Trash – hinter diesem Namen verbergen sich Jon Spencer und Matt-Verta Ray. Jon Spencer also einmal ohne seine Blues Explosion, dafür mit Unterstützung von den Speedball Babies. Resultat: Knappe 40 Minuten Heavy Trash, die ihrem Namen alle Ehre machen.
Wer (wie ich) von der letzten Blues Explosion-Scheibe eher enttäuscht war, sollte Jon Spencer nicht gleich abschreiben, sondern ihm eine neue Chance geben und einmal Heavy Trash antesten. Mit diesem Projekt wird genau das geboten, was auf dem letzten Blues Explosion-Album zu kurz kam: Dreckiger Rock’n’Roll. Die Musik ist aufs Wesentliche beschränkt und lässt sich musikalisch durch eine Reise zu den Wurzeln beeinflussen – so ist (wie stets bei Spencer) der Blues zu finden und auch der Boogierock ist ein Einfluss.
Gemischt wird das ganze mit einer ordentlichen Portion Coolness und einer Philosophie, die sich wohl auch nur unter dem Namen Heavy Trash vereinbaren lässt. Wie schon erwähnt, es ist rau. Und: Es rockt. Auf seine Weise. Sperrig, dreckig, wild. Selbst in den ruhigsten Momenten ist die Musik noch sperrig und somit vermutlich nicht für jedermann zugänglich. Dafür präzise auf den Punkt. Der Großteil der Stücke bleibt unter der Dreiminuten-Grenze.
Viele ruhige Momente gibt es zwar nicht, aber ein Stück wie „Take My Hand“ zeigt, dass auch diese Seite möglich ist. Der rauchige Charakter bleibt und man fühlt sich an den Wilden Westen erinnert. Ein Liebeslied mit Saloon-Atmosphäre. Man hört sozusagen Whisky und Zigarren – sowohl in dieser „Ballade“ als auch im Rest des Albums.
Auch textlich macht man dem Bandnamen alle Ehre. Betrachtet man Textzeilen wie „They call me the Loveless, man I’m a mean son of a bitch“ wird man wissen, was ich meine.
Abgerundet wird das Album durch ein schickes DigiPak-Artwork. Aufgrund der bereits erwähnten starken Sperrigkeit wird das Album sicherlich nicht jeden zu begeistern wissen. Man sollte auch zum Hören den richtigen Moment erwischen – unter Stress beispielsweise mag die Platte schnell nerven können. Wenn man aber in der richtigen Stimmung ist und auch mal was Raueres hören mag, könnte das Album gefallen und zum Mitgehen anregen.
Eins ist es auf jeden Fall: Ein Lichtblick der Indie-Welt – auch in Sachen Innovation.

Homepage: www.heavytrash.net

Text: Marius Meyer