Was fällt einem bei Island ein… Natürlich. Man denkt an Björk. Mag man es noch ein bisschen ausgefallener, denkt man auch an Sigur Ros. Und man denkt an unaussprechliche Namen – zumindest reicht es für diesen Eindruck, einmal in einer bekannten Online-Enzyklopädie das Stichwort „Björk“ nachzusehen. Auch Helgi Hrafn Jónsson ist da nicht gerade so der Name, der sich durch das bloße Klangbild beim Aussprechen einprägt. Da muss schon mehr her, um sich diesen Namen merken zu können. Beispielsweise gute Musik. Ein Gebiet, auf dem Jonsson ein guter Ansprechpartner ist, sich aber in einem Punkt mit seinen musikalischen Landsleuten wenig nimmt: Der der Musik inhärenten Melancholie.

Dieser fragile Grundcharakter ist es, der sich auch durch das Schaffen Helgi Jonssons zieht. Der Begriff Pop wäre hier eine Beleidigung. Zwar ist es in einer ruhigen und – ja – „seichten“ Form gehalten, aber dies wird der Musik nicht als Bezeichnung gerecht. Jonsson schürft tiefer. Mit Streichern, Klavier, viel Gefühl und der stimm-inhärenten Melancholie ist Jonsson weit von Gefälligkeits-Pop entfernt. Herzblut ist es vielmehr, was in seinen Arrangements steckt.
Das sind so die großen Gemeinsamkeiten mit seinen isländischen Musikerkollegen. Was man jedoch – ganz ohne dass es negativ klingen soll – bemerkt: Die Arrangements legen weniger Wert auf Avantgarde, auf Ausgefallenheit, auf Experimentalität. Vielmehr als seine Kollegen stellt Jonsson die Schönheit in den Vordergrund und zelebriert das Gefühl in seiner Musik.

Wenn man so will, könnte man Helgi Hrafn Jónsson als die isländische Antwort auf Robin Proper-Sheppard und Sophia ansehen – Parallelen sind vorhanden. Die Schönheit, die Streicher, das traurige Moment. Nur eben mit anderen Mitteln. Indie-Schönheit, die es verdient hat, mehr Aufmerksamkeit zu bekommen. Und wenn man sich den Namen Helgi Hrafn Jónsson schwer merken kann oder ihn schwer aussprechen kann: Den Mittelteil kann man ja auch weglassen. Oder man erkundigt sich einfach beim Händler des Vertrauens nach For The Rest Of My Childhood. Das prägt sich schnell ein… Auch inhaltlich.

Homepage: www.helgijonsson.com
MySpace: www.myspace.com/helgijonsson

Text: Marius Meyer