Rezensionen & Tonträger Martin, 05.09.2010
Herrenmagazin – Das wird alles einmal Dir gehören
„Wir bleiben stehen, dort, wo uns keiner sieht“, heißt es in Erinnern. Nach eigenen Angaben wären Herrenmagazin aus Hamburg wohl beinahe wirklich von der Bildfläche verschwunden. Im letzten Jahr war die Band fast aufgelöst. Den schmalen Grat zwischen Neuanfang und Ende verließen Herrenmagazin zum Glück an der Ausfahrt Das wird alles einmal Dir gehören. Und genau das war die richtige Entscheidung, selbst wenn der Weg etwas holprig war, was sich auch in der Musik widerspiegelt. Das wird alles einmal Dir gehören wirkt bei weitem nicht so geschliffen wie sein Vorgänger Atzelgift. Da hat die Band am richtigen Ende gespart.
Als würde eine Batterie aufgeladen werden, so klingt der Anfang von In den dunkelsten Stunden. So wird das Album mit wunderbaren Gitarren eröffnet. Wenn die Batterie bei 100% ist, wird die Strophe eröffnet. „Ich glaube an das Böse im Menschen / Ich glaube an das jüngste Gericht / Ich glaube, Gott hat diese Erde verlassen / Ich glaube noch eher, es gibt ihn nicht.“ singt Deniz Jaspersen. Die Stimme des Sängers klingt traurig wie immer, aber der Rest regt doch eher zum Tanzen an. Würde man das Lied instrumental hören, so würde man ihm nicht diesen Text zu ordnen. Der überragende Refrain glänzt mit „Der Himmel zugeteert und trotzdem sehe ich weiter als bisher“. Herrenmagazin starten mit sowohl musikalisch, als auch textlich, ganz stark in ihr zweites Album. Auch das Finale kann mit tollen Zeilen wie „Und in den dunkelsten Stunden / Wirft der Schatten das / Löscht das Feuer die Brände / Schweigt man sich aus über dich“ überzeugen.
Ähnlich gut geht es weiter mit Erinnern, ein wahnsinnig eingängiger Song, in dem Herrenmagazin sich ihrer poppigen Seite zeigen. Wieder singt Jaspersen traurige Worte, weil die Melancholie einfach perfekt zu seiner Stimme passt. Zelebriert wird das in Alle sind so zusammen mit Gisbert zu Knyphausen, über dessen Stimme man ähnliches zu sagen vermag. „Keiner will so sein, doch alle sind so“ singen beide. Man kommt einfach umhin, an den Begriff Emo zu denken. Doch es geht nicht um den Jugendtrend der letzten Jahre, sondern eher um den 90er-Emo und noch aktuelle Bands wie The Get Up Kids. Gemeinsamkeiten lassen sich nicht von der Hand weisen.
Gold für Eisen lebt von seinen druckvollen Gitarren. Die Melancholie wird hier gegen Kraft eingetauscht. Onze und Kasper sind typische Herrenmagazin-Songs. Deutsch-Indie in Reinkultur. Ein Meisterstück haben sich die Hamburger sich für das Ende von Das wird alles einmal Dir gehören noch aufgehoben. Keine Angst beginnt leise mit dem trostlosen Jaspersen, einer Akustik-Gitarre und einer großartigen Melodie. Das Lied baut sich langsam auf und umschlingt den Hörer Stück für Stück. Das Thema Glaube zieht sich wie ein roter Faden durch das Album. In Keine Angst findet es mit der plakativen Zeile „Sie haben die Bibel nur erfunden, um selber Gott zu sein“ seinen Abschluss. Wieder und wieder kann man Deniz Jaspersens Gespür für die richtigen Worte nur bewundern. Keine Angst wird mit viel Echo und toller Atmosphäre auf seinem Höhepunkt beendet.
Das wird alles einmal Dir gehören knüpft an das Debüt Atzelgift an. Zu sagen, dass Herrenmagazin sich auf völlig neue Wege begeben, wäre nicht wahr. Trotzdem erweitert die Band ihr Sound-Spektrum. Das wird alles einmal dir gehören klingt abwechslungsreicher als sein Vorgänger. Atzelgift war unheimlich stark, wird aber getoppt.
Homepage: www.herrenmusik.de
MySpace: www.myspace.com/herrenmagazin

Text: Martin Zenge