Rezensionen & Tonträger Marius, 10.11.2007
HIM – Uneasy Listening Vol. 1&2
Der Newsletter des Labels redet gar nicht erst um den heißen Brei herum, sondern schreibt gleich über ein „Weihnachtsgeschenk“, wenn es um diese Veröffentlichung geht. Ehrlich währt am Längsten und Zufall kann es ja auch tatsächlich nicht sein, dass pünktlich zur Geschenke-Einkaufszeit die beiden Uneasy Listening-Zusammenstellungen von HIM als Doppel-CD wiederveröffentlicht werden. Dies könnte man nun ankreiden – man könnte sich aber auch darüber freuen, denn die beiden CDs vereinen zum fairen Preis weit über zwei Stunden HIM, in der mal ganz andere Facetten der Gruppe beleuchtet werden. Und letztere Variante ist dabei auch die eindeutig sinnvollere.
Die beiden CDs haben einen klaren Aufbau: CD 1 stellt die balladeske Seite in ungehörten Varianten und Remixen heraus, während CD 2 HIM mit einer Härte zeigt, die vor allem Anhänger des Debüts Greatest Lovesongs Vol. 666 für verloren geglaubt hielten. Zunächst aber mal zu CD 1: Hier finden sich sehr klassisch inspirierte Varianten von HIM-Stücken. Viele Titel sind dabei im Grundtonus bereits sehr ruhig – so beispielsweise In Joy And Sorrow, das hier in seiner Streicherversion noch besinnlicher wirkt als in der Originalversion. Interessant, weil ungewohnt, sind aber vor allem die ruhigen Versionen jener Stücke, die man sonst als Rocknummern kennt. Buried Alive By Love kann hier in einer Akustik-Version genau so überzeugen wie das fast schon swingend dargebotene It’s all tears (das in dieser Version zuvor auf der Join Me-Single zu finden war).
CD 2 hingegen birgt dann die größeren Überraschungen und wirkt im Gesamtbild auch überzeugender (ohne dabei CD 1 schmälern zu wollen). Es sind vor allem zwei Titel, die hier das überzeugende Gesamtbild mit dominieren: Mit Rendezvous With Anus hat nun endlich die Turbonegro-Coverversion, die ansonsten nur auf dem Tribute Alpha Motherfuckers zu finden war, ihren Weg auf eine HIM-Veröffentlichung gefunden. Dazu kommt als letztes Stück noch einmal die Cosmic Pope Jam Version von Pretending zur Geltung, die aus der Herzschmerz-Nummer eine beeindruckende Dekonstruktion des Songs macht, die sich zum Ende hin immer mehr in gekonnte Disharmonie und kalkulierte Improvisation steigert, um nach acht Minuten im Endeffekt doch noch zu einem harmonischen Schluss zu gelangen. Aber auch die anderen Titel dieser CD wissen im Großen und Ganzen zu überzeugen – bereits die Variante von Buried Alive By Love, die zu Beginn einen waschechten Metal-Eindruck macht, stellt die Weichen und auch die verschiedenen Live-Aufnahmen (wie beispielsweise von Right Here In My Arms) können überzeugen.
Aufgrund der Vielzahl der Titel ist es schwerlich möglich, hier jeden einzelnen herauszupicken. Abwechslungsreichtum und auch Masse sind auf jeden Fall genug vorhanden. Eine wirklich gelungene Sammlung für alle diejenigen, die nicht sämtliche Singles und Raritäten ihr Eigen nennen (was wohl der Großteil sein dürfte) und – CD 2 bedenkend – auch eine gute Sammlung für diejenigen, die bisher der Ansicht waren, HIM seien zu weichgespült geworden. Dennoch gibt es auch noch Dinge, die man vermisst. Wer HIM so um das Jahr 2000 rum einmal auf der Bühne gesehen hat, wird sich noch erinnern können: Es wurde Rebel Yell gecovert und die Finnen gaben mit Larger Than Life eine unerwartet gelungene Rockversion der Backstreet Boys zum Besten. Doch auch ohne diese beiden Stücke ist diese Zusammenstellung sehr annehmbar geworden und bedenkenlos zu empfehlen – zumindest dann, wenn man der Musik der Gruppe allgemein etwas abgewinnen kann. Dass HIM polarisieren, ist schließlich nichts Neues…
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Text: Marius Meyer