Das etwas uninspiriert wirkende letzte Album Dark Light hat nun auch schon wieder zwei Jahre auf dem Buckel. Während die Fans die Zeit damit überbrücken konnten, auf den Veröffentlichungen Uneasy Listening (Vol. 1 und 2) bisher unveröffentlichtes Material zu hören, wurde im Hintergrund eifrig an neuem Material gearbeitet, das nun dieser Tage mit dem Album Venus Doom erscheint. HIM spielen erneut ihre ganz eigene Variante düsterer Rockmusik und breiten diese auf neun Stücken ausführlich aus. Zwar erscheinen neun Stücke auf den ersten Blick relativ wenig, diese Einschätzung aber täuscht: So ist auf diesem Album kaum ein Titel unter fünf Minuten Länge vorzufinden.

Die gute Nachricht vorweg: Während sich bei Dark Light noch die Gefahr der Stagnation einstellte, zeigt das sechste Album HIM in gewohnter Stärke. Wirkte das Vorgängeralbum zwar handwerklich perfekt, ging aber leider dabei spurlos an einem vorbei, schaffen die Finnen auf Venus Doom wieder das, was zuvor verloren schien: Sie reißen mit! Und das beweisen sie bereits ab dem ersten Ton: Das Album eröffnet mit dem Titel-Track, der mit harten Gitarrenriffs und einem nach vorne gehenden Beginn sogleich offenbart, dass HIM nach wie vor eine Rockband sind. Allgemein lässt sich auf dem Album feststellen, dass der Härtegrad sich wieder gesteigert hat. Bald gesellt sich allerdings die süßlich-eingängige Stimme von Ville Valo hinzu, der die andere Seite der Musik von HIM offenbart: Eingängige Perlen gepaart mit einer musikalischen Düsternis. Nicht umsonst bezeichnet die Gruppe ihre Musik als „Love Metal“. Gerade zu programmatisch erscheint es somit, dass ein Titel der CD den Namen Love In Cold Blood trägt.

Neben der wiederentdeckten Härte ist vor allem die Ausgefeiltheit der Arrangements auf dem neuen Werk beachtlich: Wie schon einleitend erwähnt, finden sich wenige Stücke unter fünf Minuten Länge auf dem Album. Von dem einminütigen akutischen Zwischenstück Song Or Suicide abgesehen, befindet sich nur der Titel Bleed Well unter der Fünf-Minuten-Grenze. Die anderen Titel schaffen es trotz ihrer Länge allesamt, ohne Langeweile daherzukommen, dazu sind die Arrangements zu abwechslungsreich getroffen und die mit Eingänigkeit gepaarte Härte funktioniert. Dazu immer wieder der Mut zum Gitarrensolo. Sleepwalking Past Hope überschreitet gar die zehn Minuten und vereint dabei alle Aspekte, die HIM in der Vergangenheit ausgemacht haben. Dass die Gruppe auch auf einer solchen Länge funktioniert, wurde einst schon mit der Cosmic Pop Jam Version von Pretending bewiesen, hier beweisen sie es erneut.

Man könnte meinen, die Mannen um Ville Valo hätten sich die Kritik zum Vorgänger zu Herzen genommen. Venus Doom präsentiert sich wieder deutlich spielfreudiger, härter und souveräner als es noch bei Dark Light der Fall war. Düstere Rockmusik mit einer ordentlichen Portion Härte, die zu gefallen weiß. Definitiv ist dieses Album eine ihrer stärksten Veröffentlichungen und das gelungenste Album seit Deep Shadows & Brilliant Highlights. Alle Achtung!

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Rezension zum Album Dark Light

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Text: Marius Meyer