Rezensionen & Tonträger Katrin, 28.10.2007
Holy Fuck – LP
Kann man elektronische Musik eigentlich wirklich Musik nennen? Wenn man Indie- oder Pop-Rock-Hörer ist, dann war das Motto bisher: Ab in die Blechtonne damit. Dann gibt es aber noch Bands, die nicht nur elektronisch experimentieren, sondern auch Rock mit einbeziehen. So auch die kanadische Band Holy Fuck. Mit ihrem Debüt, der Einfachheit halber nur LP genannt, steckte sich die Truppe hohe Ziele: ein bisschen die elektronische Musik neu definieren und das ganze mit einer guten Portion Rock. Trotz guten Willens kann man von dieser Symbiose leider nicht allzu viel hören. Neun Lieder sind auf LP zu finden, bei denen stiltypische Beats mit rockigeren Akzenten gepaart sind. So kann man nette Drumsequenzen raushören, die es auch locker in jeden besseren Pop-Rock Song geschafft hätten. Dann sind da noch einige Gitarrenriffs, die ab und zu auch mal verzehrt werden.
Es ist oft blechern, gelegentlich normal, aber überwiegend schwer in den Ohren liegend. Die heißgeliebten Synthesizerspielereien finden genauso statt wie gelegentliches Schreien oder Sprechen. Das dann aber auch leise und tut somit nicht weh.
Der Bandname soll wohl ausdrücken, welche Publikumsreaktionen man erwartet: Staunen und Begeisterung. Das „f-word“ mag einen da zwar nicht in den Sinn kommen, aber als hörbar kann man es schon beurteilen. Das mit Abstand beste Lied ist Lovely Allen, das man ohne groß nachzudenken mit gut bezeichnet. Davon hätte es ruhig mehr geben können.
Der Gesamteindruck des Albums ist eher durchwachsen, obwohl Anhänger der elektronischen Musikszene das wohl anders beurteilen würden. Live sollen die Kanadier aber einfach Spitze sein. Also am besten beides hören und dann selber entscheiden.
Homepage: www.holyfuckmusic.com
MySpace: www.myspace.com/holyfuck

Text: Katrin Gruhl