Was gibt es über das Mittalter groß zu sagen? Eigentlich eine der dunkelsten und sowohl geistig als auch kulturell degenerierertesten Epochen, die es auf dieser Welt jemals gegeben hat. Allerdings gibt es heutzutage nicht nur Menschen, die diese Ära verklären und romantisieren, nein, es gibt es auch ein ganzes Musikgenre, in dem sich diverse Mittelalterbands tummeln und genau dasselbe tun. Bei einigen dieser Bands mag man dabei durchaus sagen, dass diese ihr Handwerk auch wirklich gut machen, nennen wir einfach mal Faun, Subway to Sally oder In Extremo. Eine noch relativ junge Band in diesem Genre ist Ignis Fatuu, die musikalisch auch durchaus überzeugen kann.

Musikalisch überzeugen bedeutet aber zunächst, dass diese Band ihre Instrumente sehr gut beherrscht. In Sachen Texte Schreiben sieht das ganze leider schon ganz anders aus. Ignis Fatuu gehören wie zu erahnen ebenfalls zu den Bands, die das Mittelalter romantisieren. Das ist auch soweit okay, wären da nicht die Liedtexte, die einfach mit einer richtig hängengebliebenen Leichtigkeit daherkommen und ständig für Kopfschütteln sorgen.

Das beginnt schon mit dem Opener Auf der Flucht, in dem es – erzählt aus der „Ich-Perspektive“ – um einen Meisterdieb auf der Flucht geht, der schließlich gefangen und erschlagen wird. Quintessenz: Das Leben als Dieb ist nunmal gefährlich. Nunja, wenn man das so leichtfertig sehen kann – schön! Narrenweib weist gewisse thematische Parallelen zu Schandmauls Narrenkönig auf, schafft es dann aber noch eigene Wege zu gehen und Illusion erinnert daran, dass die Welt ein sehr trister Ort ist und gibt den Ratschlag: „Lebt die Sünde jeden Tag.“ Hach ja das hatten wir ja bei Subway to Sally mit Sag dem Teufel auch noch nicht. Egal, immerhin ein Lied, das durchaus zum Mitgröhlen geeignet ist und daher live bestimmt auch gut rüberkommt.

Zeit sagt einem dann, man soll seine Zeit nicht verschwenden für Dinge, hinter denen man nicht steht und nicht ungefragt Dinge tun, die einem befohlen werden und die schönen Seiten des Lebens an sich vorbeigehen lassen. Ist zwar auch schon mehrmals da gewesen, aber immerhin ganz schön umgesetzt. Spielmann ist dagegen ein durchaus gelungenes Stück, auch wenn die Riffs und Melodie auch sehr geklaut wirken – wer sich mit Rockmusik und Metal auskennt, wird beim Hören sofort merken, woher. In Drachenreiter geht es dann um ein „Ein Amulett in Gold gebrannt, entfacht die Gier der Höllenqual, bis es vor langer Zeit verschwand, man seine Macht für sich erkannt.“ Hier hat man es natürlich mit einem sehr oft vorkommen Problem zu tun: Magischer Schmuck, der einfach mal verschwindet und von dem keiner weiß, wo er ist, war ja schon öfters einer Hauptgründe für das Ausbrechen von Kriegen gewesen. Mit anderen Worten: Schon etwas sinnfrei, aber wenn man auf Fantasy-Kitsch steht und sich auch Arwens Abendstern aus Sterlingsilber im EMP-Katalig bestellt hat – warum eigentlich nicht? Zumindest wird am Schluss eine Melodie gesummt die sehr stark an Fear of the dark von Iron Maiden erinnert. Warum muss man nicht verstehen, aber die Melodie klingt wenigstens schön.

Wo wir gerade bei Kitsch sind: Nicht weniger kitschig sind die Liebeslieder auf diesem Album, drei an seiner Zahl. Zunächst wäre da Dein Stern: Die Geliebte stirbt, aber ein Stern leuchtet nur für dich in der Dunkelheit „und eine Träne tropft auf ihr Grab“ und letztendlich schläft man am Grab der Liebsten ein und das Lied ist zu Ende. Wie man eine derartige Thematik so abhandeln kann, ist auch wirklich kaum zu glauben! Das haben schon In Extemo in Über den Wolken weitaus besser gemacht - von der Klasse eines Stückes wie I lay stretched on your grave mal ganz zu schweigen. In Einsam lamentiert dann ein Jüngling über seine verlorene Liebe „Dolche der Liebe scharf gewetzt, verwelkt wie eine Rose, die ich in deinen Schoß gelegt.“ Huch! Haben wir es hier etwa mit Phallussymbolen zu tun? Nein, denn das beweist dann spätestens der platte Refrain: „Wahrheit kommt wie ein Vampir, sie kommt und geht und saugt an dir.“ Für einen Menschen, der die Wahrheit immer als eine Bereicherung und Erkenntnisgewinn sieht, ist dies nun wirklich wie bedeutungsleeres Phrasengedresche. Naja gut, die „Twilightromane“ haben ja auch schon Mädchenherzen höher schlagen lassen, von daher funktioniert es mit dem Stichwort Vampir vielleicht auch auf diesem Album. In Zauberspruch sieht man dann, was passiert, wenn man einem Mädchen ewige Liebe verspricht, doch man seinen Schwur bricht. Dann hört man sowas wie „auf meiner Seele liegt ein Fluch, erlös mich durch den Zauberspruch.“ Ja herrlich, aber jetzt mal ernsthaft: Mit solchen Texten kann man vielleicht noch bei Teenagern, die zum ersten mal richtig verknallt sind, was reißen, aber wer die 20 längst hinter sich gelassen hat, kann so etwas einfach nicht ernst nehmen! Immerhin bekommt das Album dann doch noch mit Wächter der Nacht einen guten und gelungenen Abschluss.

Trotz allem taugt das Album eigentlich was. Die Musiker haben durchaus Talent, nur leider nicht in Sachen Texte Schreiben. Wären da also nicht die unterirdischen Texte, die immer wieder übelst aufstoßen und einfach kein Klischee des Mittelalterfolkrockmetalwasweißdennichgenres auslassen, würde man auch ein positiveres Urteil fällen. Aber so tritt Es werde Licht von einem Fettnäpfchen ins andere. Letztendlich kann man das Album durchaus ganz putzig finden und es mag sich auch bei der nächsten Runde Mittelalterfantasyrollenspiel als Hintergrundmusik gut eignen und – ja, live kann die Band bestimmt auch gut Stimmung machen. Nur leider gibt es zu viele Mittelalterbands, über die man genau dasselbe behaupten kann. Wenn Ignis Fatuu also nicht in der Masse irgendwelcher Mittelalterbands versinken will, sollten für das nächste Album dringlichst bessere Texte her. Sonst wird das nichts!

Homepage: www.ignisfatuu.de
MySpace: www.myspace.com/ignisfatuu

Text: Tristan Osterfeld