Rezensionen & Tonträger Marius, 05.03.2010
In Strict Confidence - La Parade Monstreuse
In Strict Confidence kann man inzwischen wohl mit Fug und Recht zu den Urgesteinen des dunklen Elektros hierzulande zählen. Und das mit allen Vor- und Nachteilen. Inzwischen ist man ein etablierter und eingesessener Name, dessen Werdegang aufmerksam und mit Spannung verfolgt wird, gleichermaßen kommen aber auch bei jedem neuen Output wieder die unvermeidlichen „früher waren die besser“- und „hilfe, meine einstige Lieblingsband wird jetzt von Leuten, die ich gar nicht mag, gehört“-Stimmen. Davon ab ganz unvoreingenommen betrachtet, muss man konstatieren: Auf jeden Fall haben wir es hier mit einer Band zu tun, die sich über die Jahre stets weiterentwickelt hat und kaum mal Gefahr lief, dem Stillstand zum Opfer zu fallen…
Allerdings hört man schnell, warum In Strict Confidence häufig mal Schelte bekommen und warum vermeintlich früher alles besser war: Schon bei den ersten Tönen des aufs Intro folgenden My Despair bemerkt man die Saiten. Unverkennbar ist bereits hier eine Gitarre mit im Repertoire. Wer Musik also lieber nach den verwendeten Instrumenten einordnet als nach seinem Gesamtbild, kann In Strict Confidence natürlich als Elektro-„Liebhaber“ schnell mal nicht mögen. Hört man sich aber die Musik als Gesamtprodukt an, bemerkt man bald, dass In Strict Confidence wenig von ihrer Wirkung eingebüßt haben, sondern nach wie vor auf hohem Niveau Elektronik der düsteren Prägung bieten und dabei eindeutig sie selbst geblieben sind.
Songs wie I Surrender zeigen In Strict Confidence in altbekannter Stärke. Zielstrebige Elektronik mit Tanzbein-Attitüde, druckvolle Klänge, durch die Gitarre eine Extraportion Wucht dahinter und eingängig-markanter Gesang – hier aufgeteilt auf Dennis Ostermann plus Frauenstimme. Letztere mag zwar für manche auch nicht zu den Ur-ISC gehören – aber Frauenstimmen begegnen inzwischen seit über zehn Jahren bei In Strict Confidence. Und nicht zuletzt passen sie auf dem Album auch wirklich gut. Betrachtet man die Elektronik und die Songstrukturen an sich, so sind In Strict Confidence immer noch die Band, die sie bereits 1990 waren. One Drop zeigt es nebst vielen anderen Songs des Albums gut. Zwar offensiv und mit viel Druck, aber immer wieder auch mit flächigen Klängen dabei, die Atmosphäre verbreiten und zeigen, dass hinter der harten Oberfläche viel Gefühl steckt.
Einen Song wie Schwarzes Licht, der einzige deutschsprachige Song des Albums, kann man da schon mal verzeihen – hier wirkt der Text höchst plakativ wie oberflächlich und gewinnt durch Standardphrasen wie Lange nicht gesehen, doch gleich wiedererkennat nicht gerade dazu. Das aber ist der einzige Ausreißer nach unten auf dem Album – die neun anderen Songs (das Intro nicht mit eingerechnet) zeigen ein hohes Niveau. Der gute Geschmack fährt auf La Parade Monstreuse somit einen 9:1-Kantersieg ein und verweist die Leuchststäbchen schwingende Konkurrenz eiskalt auf die Ränge. In Strict Confidence zeigen, dass sie auch nach zwanzig Jahren aktivem Musikmachens immer noch in der Lage sind, sich weiterzuentwickeln und starke Alben zu veröffentlichen.
Weitere Artikel
Festivalbericht: Summer Darkness 2007 (09. – 12.08.2007, Utrecht)
Homepage: www.instrictconfidence.de
MySpace: www.myspace.com/instrictconfidence

Text: Marius Meyer