Jägerblut - 1898-1906 Das Musikprojekt Jägerblut existiert seit zehn Jahren. Mit 1896-1906 liegt nun auch der erste Tonträger der Gruppe vor, der einen Überblick über das bisherige Schaffen gibt. Ansonsten gab es lediglich ein Lied auf der Split 7“ mit Sturmpercht Wilde Gesellen zu hören. Genau wie diese widmen sich Jägerblut der alpinen Folklore. Ein Vergleich mit Sturmpercht ist deshalb nicht nur naheliegend, sondern auch unvermeidlich. Können Jägerblut es mit Sturmpercht aufnehmen? Immerhin behaupteten sie ja auf einer Postkarte selbstbewusst von sich selber: „Wir haben die Volksmusik neu erfunden“.

Wie die Mitglieder von Sturmpercht widmen sich die Mitglieder von Jägerblut ansonsten eher elektronischen Klängen. Was zunächst beim Hören der CD überrascht: Jägerblut klingen tatsächlich anders als Sturmpercht. Wo Sturmpercht doch eher mit einer ungestümen und urigen Art daherkommen, klingen Jägerblut ernsthafter, sakraler und sind auch etwas elektronischer. Im Gegensatz zu Sturmpercht merkt man auch bei vielen Liedern deutlich die Verwandtschaft zum Industrial: So werden bei vielen Stücken verzerrte Stimmen und Samples eingesetzt. Auch merkt man an der Liedstruktur häufig, wo Jägerblut eigentlich herkommen.

Thematisch schlägt das Projekt einen Bogen von der Jagd zu christlich-archaischen Themen. Gerade bei letzterem zeigt sich, was in Jägerblut können: Dornwald (in zwei Versionen auf dem Album, die beide überzeugen) und besonders das Stück Lichtmess überzeugen sofort. Mit Hunting, Sankt Barbara, verloren im Walde gibt es zwei sehr gelungene Lieder in englischer Sprache.

Musikalisch schwankt die Musik von Jägerblut von typischem Gitarrenneofolk mit martialischen Trommeln bis hin zu Ambientklängen. Dadurch wirkt die Zusammenstellung mitunter leider etwas unstrukturiert, was aber an der Tatsache liegt, dass man hier Stücke aus einer Schaffensphase von insgesamt zehn Jahren vor sich hat. Was auch stört: Bei manchen Stücken fehlt einfach der alpine Touch, wie zum Beispiel bei Die Gelände warten. Das ist sehr schade, denn der muss bei so einem Projekt einfach da sein.

Jägerblut haben mit dieser CD bewiesen, dass man nicht wie Sturmpercht klingen muss, wenn man alpine Folklore machen will. Das ist ihnen auch bis auf ein paar Ausnahmen gut gelungen. Allerdings hätte ich mir doch mehr Dialekt und mehr Blashörner auf 1896-1906 gewünscht. Dennoch macht die CD Lust auf mehr, weswegen ich mich auf einen weiteren Tonträger der Gruppe freue.

Jägerblut bei MySpace: www.myspace.com/jagerblut

Text: Tristan Osterfeld