Lorbeeren, wo man auch hinschaut und -hört. Und das schlimme dabei ist, dass man nach unzähligen „was ist das genial und so super und so unglaublich wichtig für die Musikwelt“-Äußerungen an sowas nicht mehr glaubt. Und wenn man dann eine Platte lauter Singles bekommt, von einem Musiker, den man noch nie gehört hat – da glaubt man solche Sprüche nicht. Und der NME hat Jay Retard als einen der zurzeit 15 wichtigsten amerikanischen Musiker betitelt. Ooookay. Und ganz ehrlich: was Matador Singles ‘08 bietet, ist wahrlich mit die bessere Qualität amerikanischen Punk Pops.

Der junge Herr Mitte Zwanzig namens Jay Lindsay hört sich an wie eine Popversion der allseits bekannten Punk-Garage Bands. Die Drums ziehen einen mit und der Gesang wird locker verzerrt. So ist An Ugly Death wie aus den 60ern entsprungen, mit dem Pop der 80ern gemischt, passend mit diesem furchtbaren Keyboard Sound, den wir aber alle toll finden. Ebenfalls der Popzeit entsprungen ist You mean nothing to me. Erstaunlich, dass ein Song gute Laune verbreitet, obwohl der besungene Text für die gemeinte Person gar nicht nett ist. I care nothing for you … schade. Der poppige Sound lässt denjenigen aber bestimmt wieder besser fühlen.

Generell ist der Up-tempo-/Pop-Touch übermächtig. Es wird vielleicht mal geruhsamer angefangen, wie beispielsweise Fluorescent grey, aber im Grunde geht es doch nur um diese poppige Garage Punk-Variante. Und der Liebhaber dieser Musik kommt hier definitiv nicht zu kurz. Da findet man ein Kleinod wie Screaming hand oder Trapped here. Das ist entgegen dem Mainstream und findet hoffentlich trotzdem viele Hörer. Sicher denkt man manchmal, hab ich doch schon gehört. Möglich, aber das ist eine Singles-Kollektion und manch andere Band hat sich vielleicht mal was von Jay Reatard gemopst.

Was sich bitte niemand zu Herzen soll: das Booklet. Davon hat es wahrlich schon bessere gegeben. Die einen nennen es Kunst, andere … nicht erwähnenswert. Ist natürlich, wie die Musik selber jedem einzelnen überlassen, aber hoffentlich findet sich mit dem Album, was Anfang 2009 erscheinen soll, eine verbesserte visuelle Ader. Dafür können die Lieder ruhig genauso kreativ bleiben und den Eindruck geben, hier hat sich jemand ausgetobt. Der junge Herr hat viel durchlebt und wird die Musikwelt hoffentlich noch weiter erfreuen. Vielleicht schafft er es ja dann auch in die Top 10 der wichtigsten amerikanischen Musiker.

Homepage: jayreatard.blogspot.com
MySpace: www.myspace.com/jayreatard

Text: Katrin Gruhl