Erinnern wir uns zurück: Im Juli 2007 fragten wir an dieser Stelle in der Rezension zur Single Wir werden…, ob Jenson es mit ihrem Debütalbum schaffen werden, sich von anderen Bands in Sachen deutschsprachiger Musik abzuheben. Ein halbes Jahr später ließ sich diese Frage bei der Single zu Du machst mich kaputt! auffrischen, als musikalisch ein ordentlicher Schritt in die richtige Richtung getätigt wurde. Und nun ist es also da: Großstadtschmutz, das Albumdebüt von Jenson. Deutschsprachige Rockmusik direkt auf den Punkt, textlich ohne viele umständliche Metaphern gerade hinaus und – ja, tatsächlich – dabei auch durchaus eigenständig.

Dabei lässt die Eröffnung des Albums erst einmal befürchten, dass hier doch die falsche Richtung gewählt wurde, legt der Titel Rocken einfach eine zu große Plakativität vor: „Die Halle ist schon brechend voll, Körper schwitzen um mich rum. [...] Wir rocken diese Stadt für Euch.“ geben Jenson zum Besten und wirken dabei deutlich weniger ausgereift, als sie es mit ihrer Musik eigentlich sind. Denn der Rest des Albums vermag es auf ganzer Linie zu überzeugen. Etwas Plakatives an sich haben Jenson zwar auch in den übrigen Stücken, aber diese Plakativität steht ihnen, denn sie zeigen genau das, was Jenson damit meinen, wenn sie behaupten, direkt auf den Punkt kommen zu wollen. Die Inhalte gehen gerade heraus, man weiß, wovon geredet wird, aber es wird dennoch so ausgedrückt, dass es nicht zu aufdringlich oder gar peinlich bis pathetisch klingt. Nein, es wurde genau die richtige Dosis ausgewählt.

Was Jenson vor allem können: Rocken! Die Gitarren laut, das Schlagzeug peitscht nach vorne, die Bassläufe untermauern die Musik und Sänger Flo singt betont, mit Wiedererkennungswert, mitreißend und durchaus eingängig. Musik, die Spaß macht und packt. Titel wie der Vorbote Wir werden… und Frei verbreiten einen optimistischen Rockhymnen-Charakter. Aber auch nachdenkliche Töne kommen nicht zu kurz. Sommer beispielsweise: „In diesem Sommer (ich denk zurück an Sommertage) // ich weiß bis heut noch wie es war“ wird mit zwar rockigen, aber angemessen nachdenklichen Tönen untermalt. Und wo wir beim Thema Nachdenklichkeit sind, darf natürlich ein Thema nicht fehlen: Das große Gefühl, die Liebe. In diesem Kontext ist vor allem Zweisam einsam zu erwähnen, das gelungene melancholische deutschsprachige Rockmusik bietet und mit „Ohne sie bedeutet zweisam mit der Einsamkeit“ eine Zeile bietet, die ob ihrer gleichzeitigen Einfachheit und Plausibilität sehr beeindruckend wirkt.

Jenson haben es also auf weiten Teilen des Debüts tatsächlich geschafft, sich von vielen ihrer deutsch-rockenden Kollegen abzuheben. Großstadtschmutz bewegt sich fernab ausgelatschter Pfade von Bands wie Revolverheld, die diese Pfade schon häufiger hin und zurück gelaufen sind. Großstadtschmutz ist tatsächlich erfrischend anders geworden und in diesem Sinne ein absoluter Lichtblick im Bereich des deutschsprachigen Alternative Rocks. Wer einen Hut hat, ziehe ihn bitte jetzt. Respektable Leistung!

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Text: Marius Meyer