Wir Menschen, wir sind schon eine Spezies, die auch mal ziemlich arm dran sein kann. Luxusprobleme wie Trübsal wegen nichts oder der obligatorische Liebeskummer stehen bei jedem mal auf dem Tagesprogramm und veranlassen automatisch dazu, es der Welt ebenso unverzüglich mitzuteilen – das es einem gerade nicht so gut geht. Einst durfte ich einen äußert subtilen Satz dazu lesen, den so ein mitteilungsbedürftiges Individuum zu seinem Leitspruch erkoren hatte: „Es gibt solche und solche Tage. Heute ist ein solcher Tag.“. Drama pur, in nur ein paar wenigen Zeilen. Doch tadaa und Trommelwirbel, haltet aus, ihr Leidenden dieser Welt, denn ich habe etwas gefunden, das euch ein wenig den Kummer versüßen wird: Die passende Musik zum grauen Geschehen.

Schwer war es nicht, denn immerhin wurde mir die CD, auf der sich diese Musik befindet, einfachhalber zugeschickt, dennoch: die junge Sängerin Jessica Lea Mayfield und ihr Album With Blasphemy So Heartfelt muss man erst einmal für sich entdecken. Könnte man ihr erstes richtiges Album, das nach der EP White Lies aus dem Jahr 2005 nun auch hier in Deutschland erscheint und in Zusammenarbeit mit Dan Auerbach von den Black Keys entstand, mit einem Schlagwort versehen, so wäre es Liebe – das Luxusproblem schlechthin. Jedoch nicht die bunte, fluffige Liebe allein in ihren Grundzügen, sondern vielmehr all das, was sonst noch so unabdingbar dazugehört. Der grüne, wabberige Neid also, ebenso die sonnigen, schimmernden, die guten Tage oder aber ganz einfach das große schwarze Loch namens Trennung und Trauer. Kein Wunder, denn es steht im Pressetext geschrieben, das viele Songs nach der Trennung von ihrem ersten Freund entstanden. Das erklärt den Grundtenor der meisten Lieder, die man auf With Blasphemy So Heartfelt hören kann.

Schon Kiss Me Again, der erste Track der Platte, beweist das. Wenig Spielerei, im Vordergrund stehen sie, ihre Stimme, ihre Gitarre und ebenso ihre Geschichte, die sie uns erzählen möchte. Die ersten Zeilen des Songs erscheinen so brüchig gesungen, als ob sie vorm Mikro gleich in Tränen ausbrechen würde. Mag sein, dass dies einfach die normale Stimme der Mayfield ist, dennoch bringt es Authenzität zum Vorschein und davon nicht einmal zu wenig. Jeder fühlt mit dem armen, 19jährigen Ding und möchte am liebsten sagen: „Mäuschen, das wird schon wieder!“.
Diesen Kopf-Tätschel-Zwang wird man nicht los, hört man sich den Rest des Albums an. Man rutscht von einem Herzschmerz in den nächsten, die Vorwürfe, die Resthoffnung, die kleinen Lügen und die großen Streits, alles stapelt sich innerhalb der 12 Lieder schön vor dem Hörer auf. Sehr viel Drama, wie es nun mal bei einer ersten Trennung üblich ist. Und das spürt man auch in den Texten, den Fakt, dass es die erste ist.
Greater Heights, einer der Favoriten schlechthin, hat so eine niederschlagende Stimmung inne, dass der schale Nachgeschmack, den man davon erhält, gar nicht so schnell verfliegen kann. Und wieder fällt auf: Man braucht keine Schnörkel, um effektvoll eine Geschichte zu erzählen, die darüber hinaus nachhaltig beeindrucken.

Viel Abwechslung bietet With Blasphemy So Heartfelt nicht wirklich. Muss aber auch gar nicht sein, immerhin ist diese Platte perfekt für „solche Tage“. Bittersüß erscheint zum Beispiel der Song The One That I Love Best, der durch Zeilen wie „You are the one that broke my heart“ zu Seufzern führt, während man im Hintergrund ein wenig munteres Glockenspiel dudeln hören kann. Frischer und bewegter wird es durch Lieder wie I‘m Not Lonely Anymore, die schlicht und ergreifend da sind, um irgendwie schön zu sein. Talentiert, ungekünstelt, ergreifend – dafür steht With Blasphemy So Heartfelt. Was soll man also noch großartig sagen? Jessica Lea Mayfield… DER Tipp für die grauen Tage des Lebens.

Homepage: www.jessicaleamayfield.com
MySpace: www.myspace.com/jlmayfield

Text: Anne-Sophie Kretschmer