Rezensionen & Tonträger Dennis, 28.06.2008
Johanna Zeul – Album No.1
Baut man seine Erwartungshaltung gegenüber „Deutschlands neustem Popwunderkind“ Johanna Zeul nur aufgrund ihrer biografischen Eckdaten (Popakademie Mannheim, Bachelor of Arts der Popakademie Baden-Württemberg), wird man hier „corporate rock“, studierten Popismus vermuten. Wie passend auch, dass die Zeul weder auf Bubblegum-Pop setzt, oder eben wie Kommilitone Konstantin Get Well Soon Gropper mit seitenbescheitelten Wohnzimmersymphonien das wählerische Indie-Publikum überzeugen will, sondern betont auf „Echtheit“, „Unvermitteltheit“ und „Rotznäsigkeit“ setzt als Gegensatz zum so unDIY Bachelor of Pop(-Design). Die Szene infiltrieren und so. Könnte klappen – muss aber nicht.
Was also versetzt des Musikexpress eigene Hypemaschine Michael Sailer dazu, in wahrhafte Jubelstürme auszubrechen, ob Zeuls schrägem Gitarrenpop mit Funkbreitseite und Shout Out Louds-Fiep-Synthies?
Die 27-jährige singt von Konsumwunderwelten und Ryan Air, vom Liebsten, der für immer weg ist. „Hey Fremder! Dein Blick ist ein Kuss…./Ich möcht dich, ich möchte dich“. Sie sagt dem Leben „Hallo“ und den dressierten Bürostubentigern im Zoo für eine Compilation „ab 3 Jahre aufwärts“ (Raubtier).
Es geht um dies und das und um das (zumindest unprätentiös ehrliche) Innenleben einer 27-jährigen und vielleicht zeigt sich ja jemand begeistert davon, wie sehr „frei Schnauze“ Johanna Zeul ist, nur sagte man das auch von den glücklicherweise wieder in der Versenkung verschwundenen Panda. Zumindest vom Berlinerisch wird man hier verschont, an den Gehörgängen kratzt Zeuls schneidende Stimme trotzdem.
Keine Frage, die studierte Pop-Prinzessin hat ein Händchen für Arrangements, für Melodien und Energie und clevere Ideen im Überfluss, aber was gibt uns das außer zackigen Befindlichkeitssongs? Zum Master of Pop wird es noch eine Weile dauern, und in der Zwischenzeit darf man sich ruhig an Frauen halten, die das mit dem Songwriter/Indiepop ein bisschen provokanter, schärfer, bissiger, besser drauf haben: Bernadette La Hengst zum Beispiel.
Homepage: www.johannazeul.de
MySpace: www.myspace.com/johannazeul

Text: Dennis Kogel
25 Jul 2008, 12:45 am 1.Madlen…
Lieber Dennis Kogel,
man merkt, dass Du noch nie auf einer Live-Show von Johanna Zeul warst !
Du beschreibst hier eine Popplatte, doch das ist nur die halbe Johanna Zeul. Die andere Hälfte ist rohe und wilde Bühnenpräsenz, die wirklich ihresgleichen sucht. Ich empfehle Dir einen Konzert-Besuch dringend nachzuholen, damit Du nicht mehr (die von mir sehr geschätzte) Bernadette La Hengst brauchst, um Deine Kritik aufzubäumen.
gute Nacht noch !
Madlen