Audiovisuell & Rezensionen David, 12.03.2010
John Denver – Country Roads, Live In England 1986
Knapp 13 Jahre ist es inzwischen her, dass John Denver bei einem Flugzeugabsturz ums Leben gekommen ist. 13 Jahre, in denen die Welt (zumindest jenseits Nordamerikas) zunehmend zu vergessen haben scheint, was den Mann aus New Mexico dereinst zu einem der wirklich originären Singer/Songwriter gemacht hat. Einem Musiker sogar, dessen Name heute fast schon stellvertretend für sein Genre steht wie der eines Bob Dylan, Ralph McTell, Neil Young oder auch Don McLean. Einer der tieferen Gründe für dieses „Vergessen“, dem das große Schaffen des John Denver sich in unseren Sphären inzwischen hingeben muss, ist dabei in nichts anderem als seinem Überhit Take Me Home, Country Roads zu suchen, der sich – vergleichbar etwa mit Über den Wolken von Reinhard Mey – jüngeren und nachwachsenden Generationen bedauerlicher Weise längst nur noch als platte Partyhymne erschließt.
Mehr als passend also, dass dieser Tage mit Country Roads eine DVD erscheint, die alten und vielleicht vor allem neuen Fans die Möglichkeit gibt, die Faszination dieses leider auch für seine bescheidene Höflichkeit verunglimpften Amerikaners noch einmal nach zu erleben. Denn gerade anhand dieses – im Auftrag der BBC 1986 in Birmingham aufgenommenen – Live-Auftritts lässt sich unschwer nachempfinden, dass es bis zum heutigen Tag kaum einem anderen Künstler gelungen ist Gefühle von Heimweh und Sehnsucht in derartig luftig-lockere Melodien zu verpacken, wie eben John Denver.
Ganz in der Art großer Liedermacher und Singer/Songwriter führt uns John Denver hier durch sein Bühnenprogramm aus weit über zwanzig Songs, zeigt sich dabei als der eloquent-sympathische „Mann von nebenan“, als der er uns tatsächlich auch in Erinnerung geblieben ist, witzelt angenehm daher, zeigt sich gutgelaunt und erklärt uns gänzlich unaufgeregt auch seine Songs näher. Dass John Denver bei allem Schwiegermutter-Charme, der ihm bis heute ein wenig anhaftet, dabei nur höchst selten kitschig oder gar anbiedernd agiert (wie etwa bei dem schon immer sehr gestelzten Flying For Me) schält sich mit zunehmender Konzertdauer dabei als die wahre Kunst des Sängers heraus, der mit gut 40 Millionen verkauften Tonträgern als einer der erfolgreichsten Musikers des 20.Jahrhunderts gilt. Songs wie Farewell Andromeda, Grandma’s Feather Bed oder Back Home Again manifestieren gleich zu Beginn seines Auftritts das für Denver so typische Gefühl unnarzistischer Heimatliebe, dem sich zumindest ein jeder Freund von Folk- und Countryklängen kaum wird entziehen können. Selbst das in Deutschland geradezu elendig wieder und wieder verwurstete Take Me Home, Country Roads gerät angesichts dieses Grundtenors eine Tiefe und Wärme, die man sich losgelöst von diesen Live-Aufnahmen zumindest in Deutschland in dieser Form kaum noch hat vorstellen können. Spätestens mit dem (zur Zeit des Auftritts noch brandneuen und in Europa eher unbekannten) Song Dreamland Express führt Denver schließlich auch Nicht-Fans galant in die reizvollen Weiten seines Songkosmos ein. Witen, die wesentlich mehr zu bieten haben als jene kleine handvoll hier bekannter Hits. Und so bleibt als kleiner Wermutstropfen allenfalls zu erwähnen, dass neben Rocky Mountain High, Annie’s Song, Calypso, Sunshine On My Shoulders und Boy From The Country mit Leaving On A Jet Plane ausgerechnet einer der für uns bekanntesten und schönsten John Denver-Songs nicht zu finden ist.
Unterm Strich ein Live-Konzert, das nicht nur zeigt, dass die 80er Jahre mitnichten ein tiefes Jammertal für die Folk- und Countryszene gewesen sind und das so erdig, ehrlich und unaufgeregt daher kommt, dass man sich fragt, warum die Zeit solch „netter“ Liedermacher überhaupt jemals hat enden müssen.
YouTube: www.youtube.com/eaglerock

Text: David Wonschewski