Rezensionen & Tonträger Marius, 24.07.2007
Julia A. Noack – Piles & Pieces
Eigentlich ist es erstaunlich, dass Piles & Pieces ein Debüt-Album ist, klingt es doch sehr ausgereift, was Julia A. Noack auf ihrem Erstling dem Hörer darbietet. Die Wahlberlinerin präsentiert auf dem Album 55 Minuten Singer/Songwriter-Musik mit mannigfaltigen Einflüssen, die sich am Ende stets zu einem geschlossenen Ganzen fügt und absolut Sinn ergibt. Wurzeln im Folk, eindeutige Indie-Anklänge fernab von austauschbarer Massenmusik und damit ein hohes Maß an Authentizität, gelegentlich auch Anklänge von Country. Die 13 Stücke zeigen dabei neben dem abwechslungsreichen Songwriting auch eine Vielzahl an ausgedrückten Gefühlen, die sich ehrlich in der Musik repräsentieren.
Are You With Me Now? fragt Julia A. Noack gleich zu Beginn ihres Albums in einem treibenden Stück Musik mit klaren Gitarren, eingehenden Harmonien, einem Hauch von Pop und deutlichen Folkanklängen, die in diesem Stück eine sehr optimistische Grundhaltung evozieren. Die durch den Songtitel gestellte Frage beantwortet der Hörer eindeutig mit ja: Ja, der Hörer ist mit ihr, denn es ist schwer, sich den Klängen zu entziehen. Die positiven Gefühle klingen oft auf der Musik. Ein Paradebeispiel ist auch der Love Song: Ein sommerlich-beschwingtes Stück Musik mit einer frappierenden Klarheit in Klang und Stimme und eingängigem Chorus. Diese Klarheit in der Musik ist es auch insgesamt, wo sich die große Stärke von Julia A. Noack zeigt: Klarheit und damit einhergehende Ehrlichkeit.
Aber da ist auch diese andere Seite in der Musik: Die nachdenkliche Seite der Künstlerin. Klar: Wo große Gefühle sind (Love Song), gibt es auch Schattenseiten. Oder zumindest Nachdenklichkeiten. Ein Stück wie I Feel The Winter strahlt zwar – in Antithese zum Songtitel – durchaus (vor allem durch die Stimme bedingt) Wärme aus, ist aber sehr nachdenklich. Musikalisch minimalistisch mit gezupften Gitarren gehalten und somit den deutlich den Folk sprechen lassend und dazu die nachdenkliche, aber betont wirkende Stimme. Oder auch Into The Real: Viel Moll, dezente Perkussion, getragenes Tempo – Optimismus ist was anderes. Aber stets im Hintergrund: Das berühmte Fünkchen Hoffnung.
Egal in welcher Stimmungslage sich die Musik gerade befindet: Die Emotion, das Gefühl, es ist immer da. Im Ganzen betrachtet ist es auch zu weiten Strecken ein positiver Klang, der aus dem Album spricht. Selbstverständlich ganz ohne eine Spur von Aufgesetztheit. Nur die bereits mehrfach angesprochene Ehrlichkeit. Und für diese sollte der Hörer Julia A. Noack dankbar sein. Ohne sie wäre dieses Album sicherlich nicht so gut gelungen. Ganz selten mögen einem die Klänge mal langatmig vorkommen, im Normalfall sollte das im nächsten Stück aber wieder vergessen sein. Genug Stücke mit Ohrwurmcharakter sind auf jeden Fall vorhanden. Welche das sind, muss der Hörer für sich entscheiden. Aber das sollte er auch!
Homepage: www.julianoack.com
MySpace: www.myspace.com/julianoack

Text: Marius Meyer