Rezensionen & Tonträger Dennis, 30.09.2008
Jun Miyake – Stolen From Strangers
Wenn Weltmusik der neue heiße Scheiß ist, dann könnte Jun Miyake eigentlich der neue Superheld des „Genres“ werden. Wird ihm wohl aber nicht vergönnt sein, dazu fehlen Wuschelhaare und Indie-Gitarre. Was aber da ist, sind wundervolle, komplexe Songs, mit denen der Jazz-Trompeter aus Japan einen Bogen spannt zu Noise-Experiment-Meister Arto Lindsay und Jazz-Legende Chet Baker, hin zu fast Piazolla-mäßigen Bossa Nova-Ausflügen und wieder zurück nach Europa, genauer gesagt Bulgarien – mit dem epischen Bulgarian Symphony Orchestra.
Der Grund-Tenor ist Heimatlosigkeit, was auch so manches Mal die Ähnlichkeit zu den wie aus kleinen Einzelteilen einer hobotastischen Reise aufgesammelten Fundstücken eines Tom Waits Songs erklärt. Jun Miyake verließ Japan schon vor über 15 Jahren. Seitdem befindet sich der ehemalige Werbemusiker konstant auf Reisen. Das Fremde als Prinzip. Ebenso wie das Leben Miyakes ist auch die Musik ständig im Fluss. Konstanten sind die Menschen, die ihn dabei umgeben, etwa Arto Lindsay, der auf turn back singt und gemächlich Bossa Nova-Rhythmen auf der Gitarre spielt, während man im Hintergrund den Wind durch leere Straßen fegen hört, der von Miyake holprig und virtuos mit Horn und Trompete umspielt wird.
Songs wie der groovende Opener Alviverde, der geschickt einen hypnotischen Basslauf mit zerbrechlichem Gesang kontrapunktiert, wechseln sich ab mit verträumtem wie Le Voyageur Solitaire. Hier singt der französische Chansonier Arthur H. und lässt sich unterstützen vom Chor der Cosmic Voices of Bulgaria, die in Eastturn opulenten europäischen Chorgesang mit arabischen Klängen verbinden.
Stolen From Strangers ist ein kleines Meisterwerk. So viele kleine Elemente verbinden sich mit sklavischer Genauigkeit in faszinierende Klanggebilde, die weder ganz Jazz, noch Bossa Nova, noch Weltmusik oder Pop sind, aber zusammen etwas viel Größeres ergeben. Allein das Cover ist schon Gold wert – kein Wunder: Star-Fotograf Jean-Paul Goude gehört zum Freundeskreis Miyakes. Und für einen Moment vermittelt dieses Album ein vages Gefühl, durch die Nacht an einen unbestimmten Ort zu gleiten.
Homepage: www.junmiyake.com
MySpace: www.myspace.com/junmiyakehome

Text: Dennis Kogel
24 Oct 2008, 2:44 pm 1.[juergen-luebeck.de]…
Stolen from strangers…
Dieses Album kann ich allen, denen Schubladendenken beim Hören von Musik fremd ist, nur empfehlen! Der japanische Trompeter Jun Miyake hat mit Arto Lindsay, Lisa Papineau u.a. sowie Tuba, Cello, Chor, Sinfonieorchester, allerlei Schlagwerk, Gitarre un…