Rezensionen & Tonträger Marius, 11.07.2005
Kent – Du & Jag Döden
Der Versuch, mit englischen Texten auf dem europäischen Markt Fuß zu fassen ist zwar damals gescheitert und wurde nach Isola und Hagnesta Hill abgebrochen, in ihrer schwedischen Heimat hat der Erfolg dafür nach wie vor Ausmaße eines schwedischen Herbert Grönemeyers (rein erfolgsmäßig versteht sich). Dennoch verwundert es, wie viele Leute hierzulande die Band kennen, zu schätzen wissen und auch schwedische Tonträger von ihnen ihr eigen nennen, obwohl das mit dem Durchbruch nicht geklappt hat. Liebt man sie eben wegen der schwedischen Texte? Man weiß es nicht – Fakt ist: Die Erfolgsbilanz und allgemein entgegen gebrachte Wertschätzung gibt Grund genug, das neueste Album einmal unter die Lupe zu nehmen.
Das Album wirkt für Kentsche Verhältnisse sehr düster. Das sieht man vor allem optisch: Schwarze Hülle, Bild mit Skelett, schwarze CD sogar von der bespielten Seite und ein Titel, der zu Deutsch „Du und ich tot“ heißt. Aber keine Sorge: Kent sind nicht zu The Rasmus geworden und ihrem Stil treu geblieben. Musikalische Anpassungen an laufende Trends haben Kent nicht nötig, so bieten sie eine typische Kent-Scheibe.
Der Opener „400 Slag“ beginnt mit einem Basslauf, der eine düstere Atmosphäre verbreitet, gefolgt von melodischen Gitarrenriffs, bis der Gesang einsetzt, der Wirkung zeigt. Eine schöne Stimme, im Hintergrund viel Moll – so kennt man die Gruppe, das Feuerwerk ist eröffnet. Großen Optimismus verbreiteten Kent mit ihrer Musik noch nie, dafür einiges an Schönheit, ob nun in den rockigen Nummern oder in den Balladen, die auch auf jedem Album wieder zu finden sind. Stücke wie „Du är ånga“ bieten Indie-Rock in Reinform, der ohne große Posen glaubwürdig klingt und erneut in Frage stellt, warum es in anderen Ländern mit solcher Musik möglich ist, eine große Masse zu erreichen, während in Deutschland eine unberechtigt Nischenexistenz geführt wird. Die Single „Palace och main“ beispielsweise – nahezu hymnischer Charakter und in Schweden ein großer Hit. Und hier? (Rhetorische Frage!)
Es ist schwer, die facettenreiche Musik in Worte zu fassen. Aber wer nach einer Definition von Indie-Rock sucht, ist hier richtig. Wer sich nach Zeiten sehnt, in denen nicht alle daherkommenden White Stripes und Coldplays ins Unermessliche gehyped werden: Auch hier richtig. Auch auf die Gefahr hin, dass die ganzen Lobeshymnen sowieso schon viel zu subjektiv sind: Diese Scheibe könnte zu einer der Indie-CDs des Jahres avancieren.
Homepage: http://kent.nu
Bezugswege:
www.ebay.de – immer wieder originalverpackte Exemplare
www.amazon.co.uk – auch als Import wenig Portogebühren

Text: Marius Meyer
25 Oct 2005, 11:35 pm 1.Felix…
Kent är cool :P
auf http://www.cdon.com kann man sich auch alle Alben nach Deutschland schicken lassen..
21 Mar 2006, 2:38 pm 2.Michael März…
Stimme dem Rezensenten zu. Es ist unfassbar, wie so ein brilliantes Rock-Album in Deutschland ignoriert werden kann, wo doch TheRasmus zumindest einen Marktzugang für nordische Bands auf diesem Sektor bereitet haben. Man denke nur an ApogtygmaBerzerk. Im Vergleich zu diesen ergreisten Norwegern, die ihren Hit im übrigen nur geklaut haben, ist kent erste Sahne. Allerdings eher ruhiger und in früheren Alben auch teilweise Dance-Elementen zugeneigt. “Du & jag döden” ist das düsterste Album, was man von ihnen erwarten kann, eine durchweg gute Mischung aus schnelleren und langsameren Stücken, inhaltlich, textlich, musikalisch vollkommen. – Im Ernst!