Rezensionen & Tonträger Marius, 28.02.2006
Kent – The Hjärta & Smärta EP
Zugegebenermaßen ist diese EP nicht mehr hundertprozentig aktuell: In Schweden erschien sie bereits im November 2005. Laut Amazon allerdings ist ein zumindest etwas internationalerer Vertrieb aber erst seit diesem Monat gegeben und nebenbei ist festzuhalten, dass es leider oft misslingt, von Veröffentlichungen dieser Band mitzubekommen – zwar sind sie Superstars in Schweden, während der Bekanntheitsgrad in Deutschland aber anders aussieht: Gegen null tendierend. Dennoch: Auch hierzulande gibt es einen kleinen, aber nicht zu verachtenden harten Kern an Kent-Fans, der zwar viel zu klein, aber nicht zu verachten ist. Da die Thematik des fehlgeschlagenen Fußfassens bereits vor einigen Monaten in der Rezension zur Du & Jag Döden (siehe hier) angesprochen wurde, widmen wir uns an dieser Stelle nun mal dem eigentlichen Inhalt der EP. Mit fünf neuen Stücken bieten Kent uns hier gute 21 Minuten neuer Musik für den geneigten Indie-Hörer.
Die Mischung der fünf Stücke spiegelt in etwa das wider, was Kent sonst auch auf Albumlänge präsentieren: Lupenreine Indie-Rock-Stücke, ein wenig was im MidTempo-Bereich und auch balladeske Momente. Der Opener Vi Mot Världen ist dabei der ersten Kategorie zuzuordnen. Ein wenig nachdenklich im Chorus, offenbart sich etwas mehr Optimismus dann im Chorus, was auch ein wenig auf die Grundtendenz der EP verweist: Der Gesamteindruck hat sich wieder etwas aufgehellt, nachdem doch recht düster ausgefallenen Vorgänger (man beachte schon allein dessen Titel „du und ich tot“). Noch einen Tick rockiger fällt das vierte Stück Flen/Paris aus, das zwar langsam anfängt, aber danach als sphärisch zu bezeichnende Rockmusik offenbart. Der hohe Grad an Eingängigkeit muss dabei nicht weiter erwähnt werden.
Kent-typische Balladen bieten die beiden Stücke Ansgar & Evelyne wie auch das Schluss-Stück Månadens Erbjudande. Typisch traurige Kent-Balladen mit teils hymnischen Elementen.
Eine Ausnahmestellung auf der EP aber gebührt Titel Nummer zwei: Dom Som Försvann, der vielleicht ungewöhnlichste Titel der inzwischen auch schon sehr langen Laufbahn der Formation. Grund für diese Ungewöhnlichkeit: Sänger Joakim teilt sich den Chorus mit einem Kinderchor. Um das zu verstehen, muss man sich evtl. erst ein wenig öffnen und einmal Kategorien wie „alternativ“, „independent“ und so weiter beiseite lassen. Im Endeffekt ist der Chor eine deutliche Bereicherung und lässt sich, wenn man so will auch als „punkig“ interpretieren, da Kent somit zeigen, dass sie machen, was ihnen gefällt. Außerdem andererseits auch: Auch Blumfeld haben mit Mein System kennt keine Grenzen (1999 auf der Old Nobody) bewiesen, dass ein Kinderchor sich durchaus positiv in ein independesques Gesamtbild einfügen kann. Definitiv das Highlight der EP!
Schön ist auch die äußere Gestaltung. Ein schickes DigiPak mit Textbooklet und aufwändiger Gestaltung. Auch wenn die EP in Deutschland offiziell nicht gelistet ist, finden sich doch auch hier verschiedenste Bezugswege – zwei davon finden sich im Anschluss an die Rezension.
Was bleibt ist wie immer die Frage, warum man mit solcher Musik in Schweden so einen riesigen Erfolg feiert oder auch im Gegensatz dazu, was in der deutschen Musikszene eigentlich schief läuft.
Homepage: kent.nu
Bezugswege:
CD-Wow – 9,99 € inklusive Lieferung
Amazon.de – verschiedene Zweithändler bieten die EP hier an

Text: Marius Meyer