Rezensionen & Tonträger Marius, 16.12.2007
Kid Harpoon – The First EP
Hier haben wir es mal wieder: Das nächste ganz große Ding aus Großbritannien. Das hatten wir in der Vergangenheit schon öfter, davon geblieben ist in einem Großteil der Fälle nicht viel. Mit etwas Glück vielleicht ein kleines Stück Erinnerung daran, mehr aber auch nicht. Näheren wir uns von diesen aus der Vergangenheit bekannten Vorzeichen mal abgesehen aber lieber mal dem, was es auf der EP zu hören gibt: Der Musik. Der Musiker aus dem englischen Ort Medwey und seine Backing Band „The Powers That Be“ präsentieren auf dieser sechs Stücke umfassenden EP einen durchaus interessanten ersten Einblick in ihr Schaffen. Britische Musik, deren Herkunft klar herauszuhören ist.
Der Opener Milkmaid offenbart zunächst ein typisches Stück BritPop im mittlerem Tempo, marsch- bzw. stakkato-artig nach vorne gespielt mit eingängiger Gesangsstimme. Tut nicht weh, ist eingängig und gefällt. Ein durchaus gelungenes Stück Musik, allerdings ohne großartig was Neues zu bieten. Gefolgt wird es von Fifty Seven, das dann schon einen Stilbruch im Kleinen darstellt. Auf einer Länge von nicht einmal zwei Minuten gibt es ein Stück, das auf seine Weise zwar gekonnt, aber gleichermaßen auch sehr hektisch und aufgesetzt gut gelaunt wirkt, was vor allem in seinem aufdringlichen Chorus auffällt.
Laufen die ersten beiden Titel der EP noch eher unter „hat Potenzial, das aber noch ausgeschöpft werden muss“, zeigen die folgenden Titel schon einiges mehr. Der dritte Titel As It Always Was zeugt wahrlich von Können. Eine Ballade mit gezupften Gitarren, aufs Minimum reduziert mit einem hohen Grad an Nachdenklichkeit. Ein schöner und gelungener Titel – wie auch das nachfolgende Aeroplanes & Neon Lights, das in seinen Strophen gleichermaßen gut gelaunt wie auch ernst klingt und im Chorus zwar eingängig, aber auch irgendwie mysteriös wirkt. Dabei stellt es sich insgesamt gut unter die Begriffe „BritPop“ und „Innovation“. Der fünfte Titel Small Town War ist dann wieder ein Stück, das nur von den Gitarren getragen wird, wobei der Gesang hier bewusst gedämpft wirkt (vergleichbar mit einer Aufnahme auf einem Kassettenrekorder mit Außenmikro), was sich durchaus hören lassen kann. Der Abschlusstitel The Water (Demo) fällt hingegen leider wieder etwas ab, so dass er in derselben Kategorie wie die ersten beiden Titel laufen.
Betrachtet man die EP nun einmal als Ganzes, so lässt sich sicherlich noch keine Auskunft darüber geben, ob hier wirklich „die lange verlorene Kunst wahrer britischer Musik wiederbelebt wird“, wie das Label in der Info zur Veröffentlichung schreibt. Was sich festhalten lässt ist aber: Hier steckt viel Potenzial drin, Titel wie As It Always Was und Aeroplanes & Neon Lights zeigen wahres Können und lassen den Verdacht aufkommen, dass in Kid Harpoon wirklich so etwas wie „das nächste große Ding“ schlummern könnte. Woran es auf The First EP noch mangelt, ist die Stringenz. Teilweise wirken die Stücke sehr zusammenhanglos nebeneinander gestellt. Dafür sind die benannten herausragenden Momente zu finden. Sollte Kid Harpoon es im weiteren Verlauf seines Schaffens deutlicher schaffen, sich auf seine Stärken zu besinnen, so schlummert hier wirklich etwas Großes. Um sich davon überzeugen, sei die erste EP allen Freunden britischer Musik an dieser Stelle schon allein eben wegen besagter enthaltener Highlights empfohlen!
Homepage: www.kidharpoon.com
MySpace: www.myspace.com/kidharpoon

Text: Marius Meyer
Bild: PR