Da haben sich zwei gefunden! Das war schon der Eindruck bei der bloßen Meldung, dass Klaus Schulze und Lisa Gerrard sich zusammengetan haben. Beide durchaus mit einem anhaftenden Legendenstatus – Schulze durch Tangerine Dream, Gerrard durch Dead Can Dance. Da ist die Erwartungshaltung schon im Vorfeld groß. Schaut man sich dann das Endprodukt an, sieht man weitere Anzeichen der Handschrift der beiden Künstler. Zwar sind es nur insgesamt sieben Titel, die die beiden auf Farscape zusammengetragen haben, dennoch wurden für diese gleich zwei CDs benötigt, die dazu auch noch randvoll sind. Um den Status als Gesamtwerk zu untermauern, heißt jeder Titel Liquid Coincidence und ist mit der jeweiligen Titelnummer dahinter bezeichnet.

Das Liquide ist dabei so eine Tatsache, die sich durch die gesamten zweieinhalb Stunden des Albums zieht: Das Album befindet sich in einem konstanten Fluss. Und auch die Koinzidenz von Schulze und Gerrard erweist sich als sehr fruchtbar. Bei Titellängen zwischen 13 und 30 Minuten entstehen kosmische Klangsphären, die den Hörer entführen wollen, wabernde Synthies, entspannend-eingängige Flächen, die sich in sich selbst verlieren und deren Anfang und Ende schwer auszumachen sind. Darüber eingängig und oft nahezu hypnotisch kommt die Stimme von Lisa Gerrard hervorragend zum Tragen. Sie fügt sich gut in das klangliche Bild des Elektronik-Pioniers ein und untermauert gut den von ihm klanglich dargebrachten Grundcharakter.

Das Flüssig-Liquide des Albums birgt allerdings auch eine Gefahr: Liquide Angelegenheiten fließen nicht nur, sie haben auch einen gefährlichen Hang zum Plätschern. Und dieser Gefahr setzen sich Schulze und Gerrard mitunter aus. Denn die langen Kompositionen sind zwar schön, durchdacht, ja filigran gar, jedoch sind sie eben auch sehr lang und man fragt sich mitunter, ob man das, was man im Moment des Denkens wahrnimmt, nicht eigentlich auch schon einmal gehört hat. Und an diesem Punkt fällt eine Gleichförmigkeit auf, die sich gelegentlich leider auch in unterschiedlichen Stücken zeigt.

Dennoch: Farscape ist auf seine Weise ein beeindruckendes Album geworden. Soundsphären dieser Art hört man selten und man merkt in jeder Sekunde, dass hier zwei absolute Profis am Werk waren, die ihr Handwerk mehr als nur verstehen. Man sollte eben nur verhindern, hier nur nach den großen Namen zu gehen, denn dieses Album ist auf seine Weise speziell. Zwar angenehm zu hören, dennoch nicht zwingend gefällig. Wer einen oder beide Beteiligten mag, wird mit diesem Album keine Probleme haben – alle anderen sollten aber evtl. doch einmal reinhören.

Homepage Klaus Schulze: www.klaus-schulze.com
Homepage Lisa Gerrard: www.lisagerrard.com

Text: Marius Meyer