„Musik aus einer Zeit, in der Amerika noch Indien war und die Sonne sich um die Erde drehte…“ versprechen Lapis Serpentis als Motto ihrer Musik. Und damit versprechen sie nicht zuviel, denn in der Tat ist es sehr mittelalterlich, was sie auf ihrer aktuellen CD Am Kreuzweg präsentieren. Neben eigenen Kompositionen bieten sie auf ihrer CD viele Neuinterpretationen traditioneller europäischer Texte, aber auch unerwartete Texte sowie den gecoverten Beweis, dass auch modernere Musik gut in ein mittelalterliches Gewand passt. Was dabei angenehm auffällt, ist die absolute Unverkrampftheit, mit der Lapis Serpentis an ihr Werk herangehen. Sie klingen sehr erfrischend, haben hörbar Spaß und auch der Humor bleibt dabei nicht auf der Strecke.

Natürlich ist es eindeutig die Art Musik, die in mittelalterlichen Situationen wie dem Mittelaltermarkt und ähnlichen Stationen auftritt und hier ist auch die potenzielle Zielgruppe dieser Musik zu suchen. Aus dem, was in ebendiesen Situationen begegnet, ragen Lapis Serpentis dabei allerdings in verschiedener Hinsicht heraus. Dies beweisen sie sogar bereits bei in diesen Gefilden doch recht abgegriffenen Titeln wie Herr Mannelig und Dessous Le Pont De Nantes. Es ist eine bestechende Spielfreude, die aus den Dudelsäcken, Flöten, Harfen, Mandolinen, usw. spricht. Selbst diese abgegriffenen Stücke beweisen bei Lapis Serpentis eine große Authentizität.

Die eigentlich große Stärke dieser Veröffentlichung liegt aber vor allem in den weniger erwarteten Stücken. Ohne auch nur den Hauch von Peinlichkeit vermögen es Lapis Serpentis beispielsweise, Kalle Theodor von Astrid Lindgren zu vertonen. Süßliche Flöten, treibende mittelalterliche Rhythmen und der eingehende Frauengesang sind es hier, die den Hörer packen. Ähnlich auch Hänsel und Gretel – es wird eine sehr authentische Mittelalteratmosphäre aufgebaut, die gut mit dem Text harmoniert und dabei zwar relativ ruhig, aber doch sehr gezielt erscheint. Ebenfalls unerwartet und so etwas wie der heimliche Hit von Am Kreuzweg ist Venus In Furs, gecovert vom Velvet Underground (oder um es mit den Worten der Band zu sagen: „Ein Stück des britischen Barden Lou Reed“). Es ist ja immer eine gewagte Angelegenheit, sich an solche Klassiker zu trauen. Lapis Serpentis kriegen dies gekonnt hin, das Glockenspiel könnte passender gar nicht sein und würde man das Original nicht kennen, könnte man dieses Lied tatsächlich für aus dem Mittelalter halten.

Die vorangegangenen Ausführungen sollten allerdings keinesfalls falsch verstanden werden: Lapis Serpentis sind sicherlich keine Spaß-Combo, sondern als Band durchaus ernstzunehmen. Der Spaß der Musiker ist zwar aus der CD genau so deutlich hörbar wie ihr Herzblut, aber das, was sie daraus machen, ist mehr als bloßer Zeitvertreib. Nein, Am Kreuzweg ist eine gelungene Veröffentlichung im Bereich der mittelalterlichen Musik, die sich von der gerade in diesem Bereich häufig begegnenden Durchschnittskost angenehm abhebt. Hoffen wir also, dass die Gruppe den Spaß an der Musik so schnell nicht verliert und uns weiterhin mit solch qualitativen Veröffentlichungen beehrt.

Homepage: www.lapis-serpentis.net
MySpace: www.myspace.com/lapisserpentis

Text: Marius Meyer
Bild: Rita Skof