Leichtmatrose – so nennt man den unerfahrenen Matrosen auf See. Umgangssprachlich steht der Leichtmatrose für einen Menschen ohne Lebenserfahrungen oder jemanden, der besonders naiv ist. Nun hat Andreas Stitz den Leichtmatrosen als Synonym gewählt, unter dem er ab heute seine erste EP Sexi ist tot, zum Download stellt. Erste Aufmerksamkeit erlange der Leichtmatrose allerdings schon auf MySpace. Zwei Wochen war er angemeldet, da wurde niemand geringeres als Joachim Witt auf ihn aufmerksam, nahm ihn unter seine Fittiche und agiert seitdem als Mentor, Mit-Produzent und Manager. Am 27.02. tritt der Leichtmatrose außerdem als Support von DAF im Hamburger Club „Übel & Gefährlich“ auf.

„Der Leichtmatrose ist mein Katalysator. Er saugt alles auf, was ich erlebe – ob aus der Ferne oder hautnah – und gibt es auf seine ganz eigene Weise wieder”, sagt Stitz selbst zur Wahl dieses Namens. Der Leichtmatrose ist eine Kunstfigur, ein sympathischer Loser, der als Beobachter oder Akteur Geschichten aus dem Leben erzählt. Im Fall der EP Sexi ist tot gerät diese Geschichte eindringlich gesellschaftskritisch und offenbart das Talent von Sänger, Texter und Komponist Andreas Stitz.
Zwar geht der Titeltrack sehr offen mit dem Thema Anorexie um, trotzdem wird nicht mit Metaphern und Anspielungen gespart. Schon mit dem Namen der Protagonistin, die „im ersten Morgenrot“ starb, eben „Sexi“, wird das Problem eines überzogen untergewichtigen Schönheitsideals angesprochen. Dass dann auch noch der „Mädchenchor von H&M“ an Sexis Grab singt, verdeutlicht die Kritik an Gesellschaft und Modeindustrie, deren Vorstellungen eines „sexy Körpers“ selten mit der Realität übereinstimmen. Der zweite Song auf der EP, Gestrandet, besticht durch eine ebenso komplexe Metaphorik.
Aber nicht nur die ausgefeilten Texte machen Leichtmatrose zu einem Newcomer, den man im Auge behalten sollte. Musikalisch siedelt das Projekt sich im Electropop-Bereich an, entlehnt aber auch Elemente aus NDW-Zeiten und präsentiert sich insgesamt ruhig und nachdenklich, ohne langweilig zu werden. Die Stimme Stitzers, die stellenweise fast an Peter Heppner erinnert, fügt sich nahtlos ins Gesamtkunstwerk ein.
Neben den beiden Eigenproduktionen Sexi ist tot und Gestrandet findet sich auf der EP ein Remix von Sexi ist tot, der von Plastic Noise Experience produziert wurde.

Von Naivität oder Unerfahrenheit findet sich auf Sexi ist tot keine Spur. Texte, Musik, Stimme – und natürlich auch die Zusammenarbeit mit Szenegrößen – wecken hohe Erwartungen. Ob der Leichtmatrose diesen gerecht wird, wird sich im April zeigen, wenn das Album erscheint.

Homepage: www.leichtmatrose.com
MySpace: www.myspace.com/derleichtmatrose

Text: Lisa Kleinberger