Mit ihrem neuen Album, das am 27. Februar erscheint, bekennt sich die Letzte Instanz Schuldig. Schuldig an was? Daran, nach den anhaltenden Ausflügen in akustischere Gefilde wieder härtere Töne anzuschlagen? Nachdem das Akustikalbum Das Weiße Lied schlechter bei den Fans angekommen war als die Vorgängerwerke, könnte man es auch andersherum sehen: Die „Schuld“ an einer „schlechteren“ Leistung wurde angenommen und soll mit dem neuen Album, das einen komplett anderen Weg einschlägt, gewissermaßen getilgt werden. Freilich nur eine Spekulation, aber man bemerkt: Allein der Titel des neuen Werkes ist in die verschiedensten Richtungen interpretationswürdig.
Zuerst fällt auf: Das Album beginnt belanglos. Das Intro will nicht so recht zu dieser Ankündigung eines „härteren“ Albums passen. Ein Bezug zum restlichen Album ist nicht direkt herzustellen; bei 13 weiteren, „vollwertigen“ Tracks wäre dieses Intro also nicht unbedingt nötig gewesen. Der danach kommende Song Mein Engel kann auch noch nicht auf ganzer Ebene überzeugen: Zwar sind Text und Melodie insgesamt gut geraten, trotzdem klingt der Refrain hektisch und besonders in den ersten Zeilen recht holprig.
Mit Flucht ins Glück folgt ein ruhigeres Stück, dessen Text und Melodie allerdings durchweg zusammenpassen und so das erste runde Gesamtwerk des Albums präsentiert. Es folgen Songs, die ins Ohr oder unter die Haut gehen. Besonders in Traumlos sei die Leistung von M. Stolz als Geiger erwähnt, denn hier steht besonders dieses Instrument im Vordergrund und untermalt den Song unglaublich kraftvoll und melodiös. Feuer schließlich klingt stark nach Subway to Sally, kann aber durch die Härte überzeugen – denn härter wollte die letzte Instanz schließlich werden. Insgesamt kann Sänger Holly sich auf Schuldig stimmlich klar von Eric Fish distanzieren, auch wenn Schuldig melodisch teilweise immer noch an die Kollegen von Subway to Sally oder auch Schandmaul erinnert. Trotzdem ist die Letzte Instanz keinesfalls als Kopie einer dieser Bands zu betrachten. Die Eigenkompositionen sind klar zu erkennen, bis auf das eben erwähnte Feuer steht man besonders textlich auf eigenen Beinen.
Obwohl das Album die angekündigte Härte nicht komplett durchzuhalten vermag, ist Schuldig ein sehr eingängiges und vor allem vielseitiges Werk. Die ruhigeren Stücke sind keinesfalls langweilig geraten, sondern überzeugen durch gut durchdachte Texte und Melodien, im Fall von Der Garten sogar durch eine sehr harmonisch geratene Kooperation mit Aylin Aslim als Duettpartnerin. Die gewünschte Härte kommt in Songs wie Finsternis oder Feuer zum Vorschein. Mit Wann endet das Album in fast schon poppig anmutenden Klängen.
Für Fans der Band, die sich mit dem Akustikalbum nicht so richtig anfreunden konnten, ist Schuldig eine gute Entschädigung. Das Album ist insgesamt musikalisch sehr vielseitig, bis auf das Intro erscheint kein Song als Füller und textlich bietet sich hier viel Stoff zum Nachdenken. Neue Fans werden an Schuldig also auch ihren Spaß haben.

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Text: Lisa Kleinberger