Rezensionen & Tonträger Tristan, 27.02.2007
Manowar – Gods of War
Ende Februar erschien das neue Manowar-Album Gods of War. Ein guter Grund, sich das Album näher anzusehen und auf seine Qualitäten zu prüfen, wo doch Manowar in den letzten Jahren mehr durch Fanabzocke mit Live-DVDs und einer ständig verschobenen Tour aufgefallen waren.
Zu Beginn muss man sich schon wundern: So beginnt das Album mit dem ausladenden Titel Overture to the Hymn of the immortal Warriors, einem rein akustischen, orchestralen Lied, das wohl nicht zufällig an die Stücke von Richard Wagner erinnert. Genau so ausladend wie der Titel ist auch das Stück selber: Über sechs Minuten. Bis dann das erste Metalstück King of Kings beginnt, sind etwa zehn Minuten Hörzeit um. King of Kings wird von The Ascension, einem ebenfalls orchestralen Stück, eingeleitet. Was hier auffällt ist, dass in der Mitte eine dunkle und verzerrte Erzählerstimme ihren Auftritt hat. Diese wird auch in späteren Stücken immer wieder auftauchen. Gegen Ende beginnt dann der Gesang von Herrn Adams, kurz darauf erklingt dann auch King of Kings.
Was hier direkt auffällt: Von den 16 Tracks auf der CD sind nur neun”wirkliche” Manowar-Songs. Der Rest besteht aus Texten, die von vorhin erwähnter Erzählerstimme vorgetragen werden und bombastischen Orchestereinlagen, die mit Metal wenig gemein haben.
Zu den richtigen Metal-Stücken gehört das vorhin erwähnte King of Kings, Sleipnir, God of Fire, Sons of War, Glory, Majesty, Unity – einer anderen Version des Warriors Prayer vom Kings of Metal-Album, dem titelgebenden Gods of War, Odin und schließlich Hymn of the Immortal Warriors. Nachdem dessen Overtüre zu Beginn des Albums erklang, schließt sich so hier das Album.
Fans werden einige Dejá Vus erleben: So erinnert Blood Brothers an Stücke wie Courage oder Master of the Wind und ist auch ähnlich kitschig wie eben diese und das UpTempo-Stück God of Fire könnte auch kaum klischeehafter sein. Doch gerade die drei aufeinander folgenden Stücke Sons of Odin, Glory, Majesty, Unity und Gods of War bilden den eindeutigen Höhepunkt des Albums. Bei Sons of Odin entfalten Manowar ihr ganzes Potential: Das Lied fängt ruhig an und steigert sich langsam, bis gegen Ende dann ein ganzer Chor den Refrain singen lässt, der eine wahre Gänsehaut erzeugt. Das macht Sons of Odin zu einem der besten Lieder ist die Manowar je gemacht haben.
Lediglich das Bonusstück auf der sehr schicken limitierten Version im Leder-DigiPak mit Metallschuber ist ein Totalausfall: Die Riffs sind von Led Zeppelin und der Text ist selbst für Manowar peinlich: “They can’t stop us, let them try // for Heavy Metal we will die.” Was außerdem wirklich ärgert, ist die Tatsache, dass die Texte im Booklet in Runenschrift verfasst sind – wirklich eine selten dämliche Idee!
Was also ist als Fazit zu sagen? Der Teil, der wirklich Metal ist, mag nicht das Ausschlaggebende sein – dieser ist “nur” routiniert, aber gut. Manowar mögen hier nichts Innovatives abgeliefert haben, haben aber für ihre Musik ein passendes Konzept gefunden. Das ganze Album beschäftigt sich mit Odin – dem Gott der germanischen Mythologie. Was das Album aber wirklich ausmacht, ist der Teil, der nicht zum Metallischen gehört. Dadurch bekommt das Album einen Rahmen. Diese Passagen mögen nicht jedermanns Sache sein, aber objektiv zu sagen ist, dass sie gut ausgearbeitet sind und sich wunderbar in die Musik von Manowar integrieren. Und gerade hier haben Manowar bewiesen, dass sie zu weitaus mehr fähig sind, als abgedroschene “Metal-Battle” Texte runter zu grölen, sondern auch Musik machen können.
Zu sagen bleibt: Dem alteingesessenen Fan wird’s nicht gefallen, weil die alten Sachen ja eh besser sind und der “Pseudobombast” ja überflüssig sei. Wer Manowar noch nie mochte dem wird auch dies Album nicht gefallen. Wer aber unvoreingenommen an das Album rangeht, wird dies nicht bereuen.
Homepage: www.manowar.com

Text: Tristan Osterfeld