Blinker setzen und los geht es. Unterwegs sein. Früher raus aus der Langeweile, heute durch ganz Deutschland auf Tour. Man steht lieber mit dem Auto im Stau als mit dem Leben. Matula haben den Absprung geschafft. Aufgewachsen in Neumünster, darf man nun Hamburg oder Kiel als Wohnort nennen. Die Einöde war gut, um die Band zu gründen, weitergeführt wird das Ganze aber besser in der Großstadt. Nach einer 7inch-EP, diversen Split-Singles und dem Debütalbum Kuddel folgt nun das zweite Album der Band: Blinker. Selbstverständlich erscheint das Album wie das Erstlingswerk beim Kieler Label Zeitstrafe, auf dem auch Escapado und Antitainment beheimatet sind.
Matula bewegen sich auf Blinker wie gewohnt zwischen Punk, Pop und Emo. Ein wenig verändert wurde die Stimme. Sänger Thorben wirkt etwas kratziger und singt tiefer als zuvor. Anfangs ist das ungewohnt. Hier und da fragt man sich, ob da ein neuer Mann am Mikro steht. Allerdings bedarf es keiner langen Eingewöhnung. Der Charme von Kuddel liegt immernoch unverkennbar in der Stimme und nach wenigen Durchgängen verliebt man sich. Nicht nur in die Stimme. Das Album überzeugt in der Gesamtheit. Vom Anfang bis zum Ende, Lied für Lied. Da steht gar nichts im Stau, ganz im Gegenteil.
Der Opener Baumarkt enthält die entsprechende Vorwarnung: „Halt dich gut fest, der Zug fährt schnell.“ Der Zug heißt in diesem Fall Blinker und festhalten sollte man sich eigentlich nicht. Besser ist sich mitreißen zu lassen. Bei einem Song wie Yacht fällt das überhaupt nicht schwer. Eingängige und gleichzeitig treibende Gitarren gepaart mit dem bereits angesprochenen Gesang. Beide finden im Refrain ihren Höhepunkt. „Und diese Wogen hier, glätten unser ein und alles.“ Mit Vollgas ins Herz, Musik die berührt. Die folgenden Songs sind konstant sehr gut. Überragend ist der Dreierblock aus Böller, Hähnekrähen und Over The Top. Letzteres war bereits Teil der Split-EP mit der Mönchengladbacher Band Nein Nein Nein.
Matula beweisen auch textlich Stärke. Gefühle und Gedanken werden in die richtigen Worte gefasst. Mal metaphorisch, mal umgangssprachlich, aber immer in den richtigen Bahnen. Talent zum Erzählen und Beschreiben ist ohne Zweifel vorhanden. So fällt es doch sehr schwer Kritikpunkte zu finden. Wenn Musik sich so gut wie Blinker anfühlt, will man das auch gar nicht. Matula haben alles richtig gemacht. Die Ampel steht auf grün. Es ist kein Stau in Sicht.

Homepage: www.matula.tk
MySpace: www.myspace.com/matulahoi

Text: Martin Zenge