Für welche Scherze musste Meat Loaf nicht schon alles herhalten. Aufgrund seines bereits im Namen implizierten XXL-Formats liegt es natürlich auf der Hand. Und wenn bei einem Konzertbericht das Bild eines Frikadellenbrötchens abgebildet ist, da der Künstler sich spontan entschied, Fotografen gar nicht erst zuzulassen, sollte man meinen: Da ist einer nicht ganz unverantwortlich für. Künstler-Attitüden halt, die sich ein Künstler dieses Formats aber wohl auch leisten kann. Wobei nun mit letzterem „Format“ das künstlerische gemeint ist, nicht das leibhaftige. Nach all den Jahren – inzwischen 33 Jahre nach Bat Out Of Hell – ist Meat Loaf immer noch da und veröffentlicht mit Hang Cool Teddy Bear gar ein neues Album.

Gemeinsam mit Rob Cavallo als Produzenten (Referenzliste: Green Day, My Chemical Romance, Paramore, Fleetwood Mac) hat er sich also ein weiteres Mal dem großen Ganzen angenommen und versucht, einen weiteren Opus einzuspielen. Dadurch, dass auch hier eine Geschichte erzählt wird (eine Kurzgeschickte des aus Los Angeles stammenden Drehbuchautors und Regisseurs Kilian Kerwin, seines Zeichens auch ein Freund von Meat Loaf), ist auch wieder eine gewisse Textlastigkeit gegeben. Und es sorgt dafür, dass mit einer Länge von über eine Stunde auch ein Album entstanden ist, das diese Bezeichnung verdient hat.

Im Grunde ist Meat Loaf auf der neuen CD sehr anachronistisch unterwegs. Denn alles hat diese Spur des „Damals“. Der wilde Rock-Charakter, die härteren Untertöne, die Piano-Einschübe, Wechsel der Dynamik und das Gefühl, dass nie wirklich Stillstand herrscht. Dazu eben auch der operettenhafte Charakter, der mit dramatischen Zwischenstücken immer wieder neu belebt wird. Alles zeigt auf diesen 65 Minuten, dass Meat Loaf sein Handwerk keinesfalls verlernt hat und eben auch, dass hier ein Album entstanden ist, weil er das, was er macht, gerne macht und nicht, weil eventuell der Geldbeutel klamm geworden sein könnte. Es atmet hier alles den klassischen Geist der einstigen Rockmusik – auch in seiner ganzen Breite.

Die opernhafte Breite ist allerdings auch die einzige wirklich große Gefahr auf dem Album. Zwar ist es druck- und eindruckvoll Rockmusik, die das Urgestein hier abliefert, nur stellt sich die Frage, ob das im Jahre 2010 noch so ganz zeitgemäß ist. Man bekommt häufig den Eindruck, dass hier einfach versucht wurde, zuviel auf einmal in ein einziges Album zu stecken. Dadurch geht gerne einmal die Geradlinigkeit verloren. Dies fällt allerdings vor allem dann auf, wenn man stark darauf achtet. Für Rockmusik der klassischen Prägung ist Meat Loaf nach wie vor der richtige Ansprechpartner. Die Musik selbst hat nichts von ihrer Frische verloren – nur ufert sie eben gelegentlich etwas aus. Ein starkes Album ist Hang Cool Teddy Bear aber dennoch definitiv geworden.

Homepage: www.meatloaf.net
MySpace: www.myspace.com/meatloaf

Text: Marius Meyer