Rezensionen & Tonträger Marius, 25.11.2006
Mercury Rev – The Essential Mercury Rev
Weit über eine Dekade sind Mercury Rev bereits dabei, ihre Hörerschaft mit ihren Veröffentlichungen zu begeistern. 1991 erschien mit Yerself is steam ihr erstes Album, 15 Jahre später legen Mercury Rev nun mit dem Untertitel Stillness Breathes auf zwei CDs eine Art Zwischenbilanz ihrer bisherigen Laufbahn vor. CD1 bietet dabei einen Überblick über die verschiedenen Alben und EPs, die sie in dieser Zeit bis hin zum letzten Album The Secret Migration veröffentlicht haben, CD2 beinhaltet 76 Minuten an Raritäten und offenbart die experimentelle, bisweilen abenteuerliche Seite von Mercury Rev, worunter sich auch einige Coverversionen und interessante Gastauftritte befinden.
Wer sämtliche Alben von Mercury Rev bereits sein Eigen nennen kann, findet auf der ersten CD am ehesten eine nette Zusammenstellung, dürfte aber mit CD 2 besser bedient sein. Wer Mercury Rev noch nicht (so lange) kennt oder bisher nur wenige bis gar keine Veröffentlichungen von ihnen besitzt, kann sich bei CD 1 an einem schönen Querschnitt der Musik Mercury Revs erfreuen. Es wird der gewohnt schöne Indie-Rock geboten, der die Band beliebt und international auch in Künstlerkreise sehr geachtet gemacht hat, wie Supportauftritte bei Künstlern wie Nick Cave oder gar einem Bob Dylan zeigen. Eher in ruhigen Fahrwassern angesiedelt, dabei aber sehr innovativ, eingängig und doch immer wieder mal mit Ecken und Kanten versehen.
Dazu eine vielseitige Instrumentation, bei der neben den häufig begegnenden Streichern auch mal Trompeten und andere in diesem Genre selten gehörte Instrumente begegnen, die insgesamt ein vor allem durch Schönheit bestechendes Gesamtbild ergeben, ohne dabei immer mal wieder eine sympathische Verspieltheit vermissen zu lassen, angereichert durch einen Hauch Psychedelik, während auch der Witz nicht auf der Strecke bleibt.
CD 2 hingegen ist auch für den Sammler interessant – so gibt es hier neben bisher unveröffentlichten Stücken auch einige Coverversionen und interessante Kollaborationen. Bereits zur Eröffnung der CD gibt es eine Coverversion: Mercury Rev haben sich hier I Don’t Want To Be A Soldier von John Lennon vorgenommen und es in eine groovende, solide Rock-Nummer verwandelt. Neben dieser John Lennon-Coverversion begegnet mit Lucy In The Sky With Diamonds auch ein Beatles-Cover, das musikalisch weitaus psychedelischer anmutet als das Original und beweist, dass Grashoppers fragile Stimme auch zu einem Beatles-Stück passt. Mutig, aber durchaus als gelungen zu betrachten ist auch das James Brown-Cover zu It’s A Man’s Man’s World.
Bei den Kollaborationen sind vor allem die beiden spoken word-Stücke sehr interessant. In So There liest der amerikanische Dichter Robert Creeley einen seiner Texte zur Musik, während sich in Deadman niemand geringeres als Alan Vega von Suicide die Ehre gibt und auf neun Minuten einen schaurig-düster anmutenden Beitrag zu dieser Veröffentlichung beisteuert, bei dem die Suicide-Handschrift in Form emotionaler Verstörung nicht zu verkennen ist.
Betrachtet man die Zusammenstellung als Gesamtes, so lässt sie sich guten Gewissens als eine geeignete Veröffentlichung „für Anfänger und Fortgeschrittene“ in Sachen Mercury Rev bezeichnen. Eine gut ausgewählte Werkretrospektive sowie eine interessante Raritätenzusammenstellung lassen The Essential Mercury Rev zu einer guten Empfehlung werden!
Homepage: www.mercuryrev.net

Text: Marius Meyer
Bilder: PR